Schottergrube geplant: Angst um das Marienbründl. Anrainer machten ihren Bedenken zu geplanter neuer Schottergrube bei Groißenbrunn Luft.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 20. November 2020 (04:46)
Jounalist Johann Skocek, Günther Schuster (Groißenbrunner und BUM-Mitglied) und BUM-Obmann Nikica Grubesic (v.l.).
Havranek

Für dicke Luft sorgen Pläne des Transportunternehmers Anton Windisch, eine neue Schottergrube zwischen Schloßhof und Groißenbrunn in Betrieb zu nehmen. Anrainer sind nicht erfreut über die Aussicht auf Staub, Lärm und Lkw-Verkehr, auch die Bürgerinitiative BUM („Breitensee und Marchfeld“), die gegen eine Baurestmasse-Deponie in Breitensee kämpft (die NÖN berichtete), scheint ihren Aktionsradius erweitert zu haben und trat in der Verhandlung auf den Plan, um Einsprüche einzubringen.

Aber von Anfang an: Am Donnerstag ging unter regem Interesse von Anrainern im Engelhartstettener Gemeindesaal die Verhandlung zur geplanten Schottergrube „Windisch I“ über die Bühne. Bezirkshauptmann-Stellverteter Wolfgang Merkatz musste gar zusätzliche Sessel aufstellen lassen, damit alle Zuhörer Platz finden konnten. Windisch betreibt bereits eine Schottergrube in der Nähe, deren Vorräte gehen allerdings bald zur Neige und auf der gegenüberliegenden Straßenseite zwischen Groißenbrunn und Schloßhof konnte er Äcker erwerben, unter deren Humusschicht weitere Schotter- und Kiesvorkommen den künftigen Firmenbedarf decken sollen.

Maximal 15 Jahre lang sollen bis zu 100.000 m Material pro Jahr entnommen werden, im Sommer unter der Woche von 6 bis 19 Uhr, fallweise auch samstags von 6 bis 15 Uhr. Ein Radlader sei maximal 10 Stunden am Tag in Betrieb und es gebe pro Stunde maximal fünf Lkw-An- und Abfahrten. Die ohnehin schon lärm- staub- und verkehrsgeplagten Anrainer in Groißenbrunn schreien auf, liegt das neue Abbaugebiet doch nun nur mehr bis zu 350 Meter von ihren Häusern entfernt.

Könnte Marienbründl bald austrocknen?

Viele der Anrainer sorgen sich um die Lebensqualität, befürchten eine Zunahme der Belastungen und außerdem bangt man um das Marienbründl, ein Wallfahrtsort und eine der Sehenswürdigkeiten von Groißenbrunn. „Wir befürchten, dass durch den Abbau die Quellen, die das Bründl speisen, versiegen könnten. Aus Gemeindesicht ist es daher eine Grundbedingung, dass das Marienbründl erhalten bleibt“, stellte VP-Bürgermeister Josef Reiter bei der Verhandlung klar.

Unter den besorgten Anrainern ist auch Journalist Johann Skocek, ein Sympathisant der BUM um Obmann Nikica Grubesic, die bei der Verhandlung ihre Bedenken bezüglich Naturschutz und Landwirtschaft, Verkehrskonzept sowie der Klärung der Frage der Nachnutzung deponierten. Bei „ihrer“ Schottergrube in Breitensee ist es nämlich genau die Nachnutzung, an der es sich spießt: Der neue Betreiber will eine Baurestmassedeponie errichten, was den besorgten Bürgern gar nicht passt.

Als Anton Windisch den BUM-Vertretern zusicherte, dass nicht angedacht sei, eine Baurestmasse- oder Sondermülldeponie aus der Schottergrube zu machen, wenn deren Bodenschätze versiegt sind, zeigten sich diese zufrieden.

Der Rechtsvertreter von Windisch, Martin Bichler, versuchte auch alle anderen Bedenken auszuräumen: Biobauer Georg Wohlmuth befürchtete, Unkraut könnte seine angrenzenden Felder befallen: „Der Betreiber wird für eine Regulierung des Bewuchses sorgen.“ Skoceks Bedenken vor zusätzlichem Schwerverkehr: „Es wird versucht, unnötige Leerfahrten so gut es geht zu vermeiden.“ Und die Angst ums Marienbründl: „Aus hydrologischer Sicht sollte es keine Probleme geben.“