23-Jähriger bestellte „Blüten“ aus dem Darknet. Ein 23-jähriger Angestellte aus dem Bezirk Gänserndorf bestellte Falschgeld aus Neugier: 14 Monate bedingt.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 07. Mai 2021 (04:30)
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Geld zu fälschen ist fast so alt, wie die Erfindung des Geldes selbst. Seit 2014 hat sich die Geldfälscher-Szene konstante Vertriebswege im sogenannten „Darknet“ geschaffen. Staatsanwalt Christoph Zechner erklärte es den Schöffen als dritte Ebene des Internets. Zuerst käme die, die wir alle als „Worldwideweb“ kennen, darunter befinde sich die Ebene des „Deepwebs“ und unter dieser das „Darknet“.

Das war insofern eine nützliche Information für die Schöffen, da sich der vorm Landesgericht Korneuburg angeklagte 23-Jährige am 12. September vergangenen Jahres in Groß-Enzersdorf 100 Euro in einer Stückelung von fünf 20-Euro-Scheinen ebendort bestellte, für die er umgerechnet 50 Euro in der Kryptowährung „Monero“ bezahlte. Verteidigerin Andrea Seidl sah im Darknet natürlich auch ein „Loch fürs Illegale“, gab aber zu bedenken, dass es nicht illegal sei, sich dort aufzuhalten und auch nicht, dort etwas zu bestellen.

„Wollte wissen, wie sich Falschgeld anfühlt“

All das gab der „Angestellte in der Automobilbranche“ auch zu. „Warum?“, wollte die vorsitzende Richterin Lydia Rada wissen. Er betonte daraufhin mehrfach seine Wissbegierigkeit und sagte, dass er sich dafür interessiert habe, wie sich dieses Falschgeld anfühle, welche Qualität es habe oder ob er überhaupt etwas erhalten würde.

Rada bohrte weiter und fragte, warum er dann nicht eine breitere Stückelung bestellt habe. „Das war das günstigste Paket des Anbieters“, bekam sie zur Antwort. Der Knackpunkt des Prozesses – und deshalb auch weitere hartnäckige Nachfragen der Richterin und des Staatsanwalts –, ob der Angeklagte beabsichtigt hätte, das Geld in Umlauf zu bringen. Denn aufgrund eines erhöhten Falschgeld-Aufkommens während der Corona-Zeit war der Zoll gewarnt und so wurde unter anderem das Päckchen für den 23-Jährigen – eine Grußkarte, in der das Geld versteckt war – abgefangen, woraufhin am 27. Oktober 2020 eine Hausdurchsuchung durchgeführt wurde. Diesen Vorsatz bestritt der Angeklagte, er habe es nur anschauen wollen und daheim aufbewahren.

Dieser Einlassung schenkte der Schöffensenat keinen Glauben: „Die Faszination für Falschgeld ist nicht nachvollziehbar“, so Richterin Rada, zumal ein 47-jähriger Chefinspektor, der sich seit 15 Jahren mit Falschgeld beschäftigt, in seiner Zeugenaussage bestätigte, dass es sich bei 20-Euro-Scheinen um die am häufigsten gefälschten handle. Das Urteil für den unbescholtenen 23-Jährigen: 14 Monate bedingte Freiheitsstrafe.