Abschiebung: Jetzt sind sie wirklich weg... In den frühen Morgenstunden wurde die junge syrisch-palästinensische Familie mit ihrem Baby von der Polizei abgeholt und wartet nun auf ihre Abschiebung nach Kroatien.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 03. November 2016 (05:45)
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Da war die Welt noch in Ordnung: Hanadi und Waleed beim Begegnungscafé.
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Vergangenen Samstag klopfte die Polizei in den frühen Morgenstunden an die Türe der örtlichen Religionslehrerin, bei der Hanadi und Waleed mit ihrem Baby Hanood nach mehrmaligem Wohnsitzwechsel nun endlich eine Unterkunft gefunden hatten. „Sachen packen, auf ins Anhaltezentrum und am Montag dann ab nach Kroatien“, lautete die Anweisung der Polizei.

Im Jänner war die junge syrisch-palästinensische Familie zuerst in Neuoberhausen, nach der ersten Räumung des sogenannten Integrationshauses einige Tage in einer Esslinger Gemeindewohnung und zuletzt bei Christl D. aufgenommen worden. Die junge Familie war schnell bei allen beliebt – war sie doch immer um Verständigung und Entgegenkommen bemüht. Die junge Frau, Hanadi, hatte im Begegnungscafé für ihre köstlichen Grieskuchen lokale „Berühmtheit“ erlangt.

Ohnmächtige Wut gegenüber deraktuellen Asylpolitik bewegte die Helfer zur spontanen Mahnwache.
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Am Freitag war sie noch ins Krankenhaus eingeliefert worden, ihre Beine funktionierten nicht mehr. Sie reagierte völlig apathisch, als die Ladung nach Traiskirchen kam. Die junge Mutter ahnte, was ihr bevorstand, als es in dem Schreiben hieß, dass auch die nötigsten Medikamente mitzunehmen sind. Die von Krieg und Flucht ohnehin schon traumatisierte Frau brach zusammen, die herbeigeholte Ärztin fürchtete Suizidgedanken und überwies sie eiligst in die Psychiatrie. Von dort wurde sie aber wieder heimgeschickt.

Bei vielen Helfern bleibt nur fassungslose Enttäuschung. Sie haben den Flüchtlingen monatelang geholfen, ihren Einstieg in das österreichische Leben zu erleichtern, haben Spenden zusammengetragen, Schachteln geschleppt, Kaffee gekocht, Deutsch unterrichtet, viel Zeit und Geld geopfert und Beziehungen aufgebaut. Nicht nur Patenschaften, auch Freundschaften sind so entstanden. Leider ohne Happy-End.

„Soll man sich um Flüchtlinge, die nach der Jahreswende angekommen sind, gar nicht mehr kümmern, weil es eh sinnlos ist, sie ohnedies verloren sind“, fragen sich viele Betreuer verzagt.

Derzeit sind auch viele andere Flüchtlinge, nicht nur im Stadtl, von der Abschiebung bedroht, weil sie ein paar Wochen zu spät gekommen sind. Gerade dann, als die Dublin-Regelung wieder voll in Kraft gesetzt worden war und in Österreich die Grenzzaundebatte die Willkommensstimmung gekippt hatte.