Blockade gegen „Betonprojekte“. Aktivisten von „Fridays for Future“ und „System Change, not Climate Change!“ demonstrierten in Wien gegen S1 und Stadtstraße.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 04. Juni 2021 (04:50)
Aktivisten forderten letzte Woche am Donaukanal das Aus der Stadtstraße und der S1.
„System Change, not Climate Change“, „System Change, not Climate Change“

Rund 500 Aktivisten und Sympathisanten von „Fridays for Future“ und „System Change, not Climate Change!“ forderten letzte Woche mit Bannern, Autobahn-Schildern und als Autos verkleideten Schlauchbooten am Donaukanal das Aus der „Klimakiller“ Stadtstraße und S1, vulgo Lobau-Autobahn.

Die Aspernbrücke wurde blockiert, in der Innenstadt wurde weiter demonstriert, der Zug ging zur Asfinag, zum Wiener Rathaus, zur Industriellenvereinigung und schließlich zum Umweltministerium. Gefordert wurde die Einstellung der „milliardenteuren Betonprojekte“. „Die Bundesregierung, Stadt Wien, Asfinag und die gesamte Autolobby mit WKO und Industriellenvereinigung treiben trotz eskalierender Klimakrise das nächste große Klimakiller-Projekt Österreichs voran“, moniert Laura Grossmann von „System Change, not Climate Change!“.

Eine Mobilitätswende wird gefordert

„Im Jahr 2021, mitten in der Klimakrise, können wir keine Autobahnen mehr bauen. Was wir jetzt brauchen, ist eine klimagerechte Mobilitätswende“, so Grossmann. Der Verkehr sei in Österreich der Klimakiller Nummer 1: Laut Umweltbundesamt mache er rund 30 Prozent der Treibhausgas-Emissionen aus. Klimaneutralität sei nur möglich, wenn es verbindliche Ausstiegsziele für Kohle, Öl und Gas gebe. Dazu zähle auch der Baustopp von neuen Autobahnen, ergänzte Simon Pories von „Fridays For Future“. Autobahnen brächten nur noch mehr Verkehr.

Eine Analyse des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) zeige, dass mit einem S-Bahn-Ring und Fahrradschnellwegen sozial gerechte Mobilität in der Region gewährleistet werden könne. „Die Lobau-Autobahn ist der verzweifelte Versuch der Autolobby, noch länger Profit zu ermöglichen, und die Stadtautobahn darf nicht im Schatten der Pandemie still und heimlich gebaut werden“, so Grossmann weiter.

Groß-Enzersdorfs Klimaschutzstadtrat Andreas Vanek unterstützt die Forderungen: „Der Ausbau des hochrangigen Straßennetzes kann nicht mehr die Lösung sein. Die S1 bringt uns nicht weiter, sie hilft uns auch nicht, wenn unsere Bürger nach Wien hineinwollen.“ Man brauche vielmehr einen wirksamen Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Wichtig seien auch die Schnellbahn nach Raasdorf, ein zusätzlicher Öffi-Korridor über die Seestadt zum Gewerbepark Stadlau und Busverbindungen, die öfter als einmal pro Stunde in die Katastralgemeinden fahren.