Debatte: "Lautstark“ gegen 3. Piste. Die Bürgerinitiative „Lautstark gegen Fluglärm“ setzt sich für weniger Flugverkehr über Groß-Enzersdorf ein und fordert ein Nachtflugverbot in Wien-Schwechat.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 05. Mai 2018 (04:10)
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Martin Leidinger setzt sich mit den weiteren Mitgliedern für eine Lärm-Entlastung im Stadtl ein.Kremsmayer
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Während die einen den Bau der dritten Piste am Wiener Flughafen begrüßen, üben die anderen heftige Kritik – so auch die Groß-Enzersdorfer Bürgerinitiative „Lautstark gegen Fluglärm“: „Die jüngste Debatte um die dritte Piste verdeckt akute Probleme“, so Martin Leidinger, Sprecher der Bürgerinitiative, und stellt Forderungen für eine spürbare Lärm-Entlastung.

Hohe Politik „tatenlos bei Thema Fluglärm“

Die hohe Politik bejubele den Flugverkehr als Wirtschaftsmotor, nenne den Flughafen gar ein „Musterbeispiel für Lebensqualität“ und „bleibt tatenlos beim Thema Fluglärm“. Während Wiener Regionalpolitiker die Anrainer in Fluglärmfragen unterstützten, „werden die Groß-Enzersdorfer von der Stadt- und Landespolitik buchstäblich im Lärm stehen gelassen“. Sowohl Bürger-Anfragen als auch das Ersuchen um Infoveranstaltungen für die Bewohner würden ignoriert werden.

Seit Jahren gäbe es einen kontinuierlichen Anstieg der Anflüge über Piste 16, die die Stadt überquert: Das entspricht einer Steigerung von insgesamt 42 Prozent. „Das Dramatische: Die Anflüge über Nacht haben sich mehr als verdreifacht, Nächte mit über 50 Anflügen sind keine Seltenheit mehr“, klagen die Lärmgeplagten. Aktuell ginge bereits mehr als jeder fünfte Nachtanflug über das Stadtl, in manchen Phasen des laufenden Jahres wurden die Einwohner bis zu 60 Mal pro Nacht aus dem Schlaf gerissen – und das mit gesundheitsschädlichen Lautstärken von 85 Dezibel und mehr.

"Das ist nicht mehr zeitgemäß"

Über Wien landet dagegen kein einziger Flieger in der Nacht. Doch es könnte noch schlimmer kommen, warnt die Bürgerinitiative: Mit der dritten Piste würden schlicht 100 Prozent aller Nachtflüge über Piste 16 gehen, das sei bereits im Mediationsvertrag festgehalten worden. „Das ist nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen wäre ein Nachtflugverbot am Flughafen Wien-Schwechat dringend geboten“, so Leidinger.

Weiters fordert der Verein die Einhaltung der Quoten laut Mediationsvertrag: Vor allem Piste 29 wird aus nicht nachvollziehbaren Gründen seit Jahren „geschont“. Allein 2017 landeten über diese Piste statt der vorgegebenen 20 nur 12,9 Prozent aller Flugzeuge. Heuer sind es bis dato laut www.flugspuren.at sogar nur 10,4 Prozent aller Anflüge. Auch die medial sehr aktiven Liesinger bekamen weniger Anflüge über Piste 11 als eigentlich im Vertrag vorgesehen.

Ebenso sei eine zahlenmäßig substanzielle Umsetzung des „curved approach“ (gekurvter Anflug), der das Kerngebiet von Groß-Enzersdorf deutlich entlasten würde, zu verwirklichen.