Entgleisung auf Straße endet vor Gericht

Nach einem waghalsigen Überholmanöver auf der B3 bei Groß-Enzersdorf eskalierte ein Streit zwischen zwei beteiligten Autofahrern. Einer davon muss nun 40 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Erstellt am 08. Oktober 2021 | 04:54
Gericht Prozess
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„Eine Szene wie hundert Mal täglich auf Österreichs Straßen“, wie es Richter Rainer Klebermaß anschaulich machte, habe sich im Fall eines 21-jährigen Medieninformatik-Studenten am 23. Mai auf der Fahrt von Wittau nach Groß-Enzersdorf abgespielt. Mit dem wesentlichen Unterschied, dass nicht jede dieser Szenen am Landesgericht, in diesem Fall Korneuburg, landet. Die Anklage lautete auf Nötigung und gefährliche Drohung.

Der junge Mann hatte sein neues Fahrzeug bekommen und war nun mit mehr PS-Stärken als bisher unterwegs. Auf regennasser Fahrbahn wollte er gleich zwei andere Verkehrsteilnehmer überholen. Was beim ersten reibungslos klappte, stellte sich beim zweiten Fahrzeug als schwierig heraus, da es sich zum Zeitpunkt des Überholmanövers um das Ende der 70er-Beschränkung handelte, und der ebenfalls 21-jährige andere Fahrer sein Auto auch beschleunigte.

Der junge Angeklagte dachte damals, das wäre aus Absicht geschehen und wollte den Berufssoldaten an der nächsten Ampel zur Rede stellen, was er auch mit einem kräftigen Schlag ans Autofenster zum Ausdruck brachte. Dabei soll auch die vermeintliche Drohung gefallen sein: „Heast, soll i dir einefahren, Arschloch?“ Das, so Verteidiger Wolfgang Polster sei eine Bemerkung zum vorangegangenen Geschehen gewesen und hätte sich nicht auf eine Bedrohung in der Zukunft bezogen.

„Meine Freundin sagte, ich soll das lassen“

Das bestätigte der Berufssoldat, der aber weiter schilderte, dass der 21-Jährige ihn beim Eissalon „Isola Bella“ in Groß-Enzersdorf an einer weiteren Ampel schnitt und zum Abbremsen zwang. Als bedrohlich habe er das nicht empfunden, seine Freundin allerdings habe aufgrund des unberechenbaren Verhaltens des jungen Mannes die Polizei gerufen.

Einen glaubwürdig geläuterten Eindruck machte der Student vor Gericht, der zugab: „Durchdacht war das nicht.“ Auf die Frage des Richters, wie denn seine Freundin als Beifahrerin reagiert habe, meinte er: „Sie hat gesagt, ich soll’s lassen.“

Hätte er nur auf seine Freundin gehört, wie auch der Richter anmerkte. Klebermaß wertete die Tat des 21-Jährigen als „einmalige Entgleisung“ und bot ihm – ausdrücklich von der Staatsanwaltschaft befürwortet – eine diversionelle Erledigung in Form von 40 Stunden gemeinnütziger Tätigkeit an. Bis Ende Februar des kommenden Jahres muss er diese abgeleistet haben.