Integrations-„Vorbild“ muss wegen Asylverfahren gehen. Zahlreiche Groß-Enzersdorfer protestieren dagegen, dass der syrische Flüchtling Samer Amin nach Kroatien muss, wo sein Asylverfahren abgewickelt werden soll.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 20. Dezember 2017 (03:57)
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Solidarisch versammelten sich viele Stadtler noch spätabends im Stadtpark und zündeten Kerzerl an. Auch SP-Bürgermeisterin Monika Obereigner-Sivec und Grünen-Stadtrat Martin Sommerlechner gesellten sich dazu, rührte sie doch das Schicksal des jungen Syrers ebenso an.
NOEN, privat

Den jungen Syrer Samer Amin lernten die Groß-Enzersdorfer im Jänner 2016 kennen, als er als Asylwerber in Neuoberhausen einquartiert wurde. Er sprach Englisch, man konnte gut mit ihm ins Gespräch kommen. Und er lernte schnell Deutsch sowie das Fotografieren, das ihm erlaubte, schmerzliche Erinnerungen sowie die vielen neue Eindrücke zu verarbeiten.

Im heurigen Sommer zeigte er seine erste Fotoausstellung im Kunstlokal und im Heimatverein, weitere, etwa in Hainburg, folgten. Die Herzen flogen dem schüchtern-höflichen Mann mit den traurigen Augen zu, half er doch mit, wo er gebraucht wurde, sei es bei der Flurreinigung, beim Tischeschleppen für den Pfarrflohmarkt oder beim Fotografieren für Veranstaltungen.

Tragödie begann am Mittwoch um 6 Uhr früh

Die Tragödie begann am vergangenen Mittwoch um 6 Uhr, als bei Sabine Birk die Polizei vor der Tür stand. Amin hat nach der Schließung des Asylquartiers in Neuoberhausen ein Zimmer bei der ehemaligen Stadtamtsdirektorin und nunmehrigen AMS-Trainerin gefunden und ist auch dort gemeldet. Die Nacht hatte er allerdings bei Freunden in Eßling verbracht, beim Ehepaar Letofsky, das ihm bei der Vorbereitung seiner geplanten Ausstellung half. Für Donnerstagmorgen wurde Amin nach Traiskirchen zur Anhörung bestellt, er hatte gegen seine Abschiebung berufen und erwartete dort eine Verhandlung. Doch sobald er den Raum betrat, wurde er unsanft gefasst und in Schubhaft genommen.

Briefe an Innenminister und Bundeskanzler, geschrieben von Freunden und der Plattform „Willkommen in Groß-Enzersdorf“ waren wohl gelesen worden, doch fanden sie in den Tagen der Regierungsübergabe kein Gehör. Sein Bruder bekam in Linz längst Asyl und macht dort mittlerweile eine Lehre, beide werden als Assad-Gegner kaum wieder nach Syrien zurückkehren können. Amin wird nun in Kroatien die nächsten Jahre auf die Abwicklung seines Asylverfahrens warten müssen und wieder eine neue Sprache lernen müssen.

„Dabei könnte Samer ein Vorbild für Integration in Österreich sein“, klagt Margit Huber, eine seiner Betreuerinnen aus der Anfangszeit. „Samer spricht Deutsch, hält Vorträge in Schulen, macht Ausstellungen, hat Jobzusagen in der Tasche, er wäre ein Gewinn für Österreich.“

Doch Samer wird nach der Dublin-III-Verordnung behandelt, mit der Begründung, er wäre in einem sicheren Drittstaat erstmals identifiziert worden.

Lukas Schwarz von der Liste Pilz stößt dies sauer auf. Denn die Dublin-III-Abschiebungen seien nicht verpflichtend, sondern nur möglich. „Doch sie sind bar jeder Vernunft, weil sie den bereits geleisteten Einsatz der Betreuer und Ehrenamtlichen zunichtemachen. Wir schieben volkswirtschaftlich einsetzbare Menschen mit großem Aufwand in ein EU-Land ab, wo sie volkswirtschaftlich nicht einsetzbar sind, weil sie der Sprache nicht mächtig sind. Dort muss wieder von vorne angefangen werden“, so Schwarz, der die Abschaffung der Verordnung fordert.