Kritik: Dürre statt Wasser. Anstelle von Wasser zieren immer öfter leere Tümpel das Stadtler Naturgebiet. Nationalpark und Lokalhistoriker beklagen das Scheitern des flussbaulichen Gesamtprojekts.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 30. Juni 2018 (05:13)
Auch im Arm bei der Groß-Enzersdorfer Furt zieht sich das Wasser immer mehr zurück.
Kremsmayer

In den letzten 70 Jahren gingen in der Lobau über 30 Prozent der Gewässer und der zumindest zeitweise unter Wasser stehenden Auflächen verloren. Vor allem das ausgebliebene Frühjahrshochwasser trage, so der Lokalhistoriker Robert Eichert in der Donaustädter Bezirkszeitung, wesentlich zur Trockenheit in diesem Gebiet bei.

Damm- und Kraftwerksbauten sowie die dazugehörigen Uferbegradigungen bewirkten eine gravierende Eintiefung der Donau und damit wurde die Gewässervernetzung zwischen Donau, Altarmen und Augebiet weitgehend abgeschnitten, so der Lokalhistoriker.

Die Verantwortlichen des Nationalparks Donauauen beklagen nun, dass das „flussbauliche Gesamtprojekt“ der Via donau (vormals Wasserstraßendirektion) gescheitert sei, weswegen sie nun versuchen würden, durch kleinregionale Projekte Verbesserungen herzustellen.

"Wir sind tatsächlich in großer Sorge"

Auch Eichert bedauert das Stoppen des Vorhabens: So sei die Einleitung von Donauwasser in die Untere Lobau mit dem Argument beendet worden, dass damit die Trinkwassergewinnung aus der Lobau verunmöglicht würde.

Ein Alternativprojekt habe es bereits 2003 mit dem Bau eines Trinkwasserwerkes in der Wiener Donaustadt beim Kleehäufel gegeben. Doch auch dieses wurde – obwohl das Kleehäufel bereits fertig geplant sowie öffentlich abgefeiert und die notwendigen Grundstückskäufe erledigt waren – 2005 plötzlich verworfen. „Hätte man dieses Projekt nicht wieder ausradiert, könnte man die Lobau vor dem Verdursten bewahren, ohne das Trinkwasser zu gefährden. Einer Dotation der Unteren Lobau mit Donauwasser stünde nichts mehr im Weg“, so Eichert.

Nationalparkdirektor Carl Manzano bestätigt das Problem: „Wir sind tatsächlich in großer Sorge, dass die Gewässer auf Dauer verlanden und verschwinden werden.“ Doch Trinkwasser habe höheren Schutzstatus und der Nationalpark könne nicht garantieren, dass sich die Trinkwasserqualität durch Altarmdotationen vielleicht verschlechtern würde.