Lärmschutz: Ist Obrist amtsmüde?. Aktivist Adi Obrist kämpfte jahrelang gegen die Lärmbelastung durch Flugzeuge. Er ist enttäuscht, dass das Engagement der Gemeinde und der Bürger immer mehr nachlässt.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 11. November 2018 (04:45)
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Adi Obrist, Sprecher der Bürgerinitiative „Lärmschutz“, ist auf der Suche nach engagierten Nachfolgern.
Kremsmayer

Es vergeht keine Woche, in der der Antifluglärm-Aktivist Adi Obrist nicht via Mail über den Flugverkehr über das Gemeindegebiet informiert oder öffentlich Fragen an Dialogforum oder Austro-Control stellt. Fragen, die von seiner intensiven Beschäftigung mit dem Thema zeugen.

Er vergleicht versprochene und tatsächliche Flugrouten, zeichnet Abweichungen penibel auf, überprüft – wie zuletzt – vertraglich vereinbarte Nachtflugfrequenzen mit den real geflogenen. Er weiß, was „Curved Approach“ ist und wie sich der Bau der Dritten Piste auswirken würde. Und noch vieles mehr.

Er ist schlicht einer, der sich penibel durch den sehr komplizierten Datendschungel des Flugverkehrs arbeitet, während andere oft aufgeben und sich im Dialogforum, im Abtausch gegen Vertraulichkeit – das heißt Verschwiegenheit – etwas versprechen lassen.

"Ich hab den Eindruck, die meisten haben einfach resigniert"

Jetzt trifft plötzlich die Meldung ein, dass Obrist ans Aufhören denkt. Eigentlich unvorstellbar – was ist los? „Ja, ich habe den Eindruck, dass das Interesse versiegt“, erklärt Obrist. Früher hätten sich auf seine Rundmails immer einige gemeldet und empört, jetzt bekomme er kaum noch Antworten. „Ich hab den Eindruck, die meisten haben einfach resigniert“, erzählt der scheinbar Unermüdliche. Er gehe auch schon auf den „Siebziger“ zu und es sei daher langsam Zeit für eine Übergabe als Sprecher der Bürgerinitiative „Lärmschutz“. Allein es findet sich niemand.

Dabei könne man schon einiges bewirken, nicht nur bei der Bezirkskonferenz, auch wenn dort vieles einfach ausgesessen und auf Anfragen oft jahrelang nicht reagiert werde. „Aber es ist halt alles sehr kompliziert. Bis man sich auskennt, dauert das – und ich selbst blicke noch immer nicht ganz durch“, erklärt der Aktivist.

Enttäuscht sei er auch ein wenig von den oft zurückhaltenden Auftritten der Gemeinde und von der unversöhnlichen Pattstellung gegenüber Wien. Die Wiener seien nämlich sehr aktiv darin, möglichst alle Routen nach Niederösterreich abzubiegen. „Schade, dass die Sozialdemokraten über die Landesgrenzen hinweg nicht besser zusammenarbeiten“, bedauert der Experte. Doch Obrist gibt nicht so schnell auf. Er werde den Platz nicht ohne Nachfolger räumen, das sei doch zu schade. Also bleibt noch Hoffnung, dass rechtzeitig Nachwuchs aufgebaut wird.