Lobau geht Wasser aus. Groß-Enzersdorf: Wegen Sperrbrunnen fließt weniger kühles Nass ins Stadtler Naturjuwel.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 22. Januar 2021 (03:53)
Viele Groß-Enzersdorfer haben Angst, dass „ihr“ Naherholungsgebiet, die Lobau, immer weiter austrocknet.
Kremsmayer

„Die Lobau, unser Naturjuwel und Teil des Nationalparks Donau-Auen, hat leider einen etwas problematischen Nachbarn: das Tanklager. Durch Bombentreffer im 2. Weltkrieg beschädigt, ist Öl ausgetreten, das sich im Schotter unterhalb der Tanks festgesetzt hat. Eine Sanierung ist technisch nicht möglich“, schreibt Grünen-Klimaschutzstadtrat Andreas Vanek, der sich schon länger für eine bessere Wasserversorgung der Lobau einsetzt.

Zahlreiche Groß-Enzerdsdorfer beklagen den stets sinkenden Wasserstand. Und mittlerweile schwirren schon zahlreiche Verschwörungstheorien in der Lobau-Fangemeinde umher, dass Wien den Niederösterreichern das Wasser absperre, nicht zuletzt, um die Umgebung des geplanten Lobautunnels trocken zu halten oder um die Trinkwasserbrunnen der Donaustädter sauber zu halten.

Sperrbrunnen pumpen Großteil des Wassers ab

Tatsächlich wurde in den 1990er-Jahren eine Reihe von Sperrbrunnen errichtet, um die Kontaminierungen des Grundwassers zu vermeiden. „Das bedeutet, dass bis zu zwei Drittel der Wassermenge, die in die Lobau geleitet wird, über diese Sperrbrunnenreihe wieder abgepumpt werden. Das hat natürlich Auswirkungen auf den ohnehin sinkenden Grundwasserspiegel in der Lobau und macht Dotierungen über die Altarme wieder zunichte“, so Vanek.

Vor einigen Jahren wurden sogenannte Spundwände in den Boden gesetzt und eine neue Sperrbrunnenreihe wurde direkt beim Tanklager errichtet, die das Altöl am Auslaufen hindern sollen. 2009 war man mit diesen Arbeiten fertig und die Altlast wurde als „gesichert“ im Wiener Altlastenatlas eingetragen. Damit wäre das Abpumpen über die Sperrbrunnen obsolet. Sie könnten stillgelegt werden, berichtet Vanek. Lange sei dies allerdings mit Hinweis auf die Sicherheit der Wasserversorgung verzögert worden. Nun wäre man – so scheint es – endlich zur Abschaltung der unnötigen Sperrbrunnen bereit, allerdings könne das die Stadt Wien nicht anordnen. Da eine Wasserversorgung von mehr als hunderttausend Einwohnern betroffen ist, ist die Angelegenheit Bundessache und muss vom Landwirtschaftsministerium genehmigt werden. Dort liegt der Fall nun seit geraumer Zeit. Auf Nachfrage bekam Vanek die Auskunft, es würde noch ein Gutachten fehlen. „Und das, obwohl die Altlast seit 12 Jahren als gesichert eingetragen ist“, ärgert er sich und will weiter lästig zu sein und beim Ministerium sowie bei der Stadt Wien Druck zu machen.