Lobau-Tunnel: Die unendliche Geschichte. Die Pläne der Asfinag, im Nationalpark Probebohrungen durchzuführen, schlagen Wellen bei Umweltorganisation. Walcher: „Für Sicherheit unverzichtbar.“

Von Erwin Nußbaum und Stefan Havranek. Erstellt am 03. November 2016 (03:58)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Mögliche Bohrungen im Zuge des Lobautunnel-Projekts beschäftigen derzeit die Umwelt-Organisationen.
Shutterstock/Kichigin (Symbol)

Wie die Umweltorganisation „Virus“ bekannt gibt, hat die Asfinag die Genehmigungen für erneute Lobautunnel-Probebohrungen beantragt – davon 45 im Nationalpark Donauauen.

„Virus“-Sprecher Wolfgang Rehm: „Bereits vor zehn Jahren sorgte der Eingriff mit damals 18 Bohrungen für Aufregung und führte im Anschluss zu einem planungstechnischen Fiasko. Jetzt sollen ohne viel Aufhebens neue Arbeiten bewilligt werden – dabei liegen die Genehmigungen für den Lobautunnel noch nicht vor. Die Bohrungen sind daher ebenso widersinnig wie rechtswidrig.“ Derzeit sei das Verfahren zur Umweltverträglichkeits-Prüfung (UVP) der Lobau-Autobahn beim Bundesverwaltungsgericht anhängig.

„Erkundungsmaßnahmen sind unverzichtbar“

Mit umfangreichen Unterlagen habe die Asfinag nach einer Fristverlängerung versucht, dem geologischen Verbesserungsauftrag nachzukommen. „Die weiteren für das Projekt erforderlichen Genehmigungen wie Wasser-, Nationalpark- und Naturschutzrecht sind aber offenbar noch nicht eingereicht worden“, so Rehm.

Der erwähnte Verbesserungsauftrag habe gezeigt, dass jene Baugrunderkundung, für die schon 2006 18 Löcher gebohrt worden waren, mangelhaft war. Es gebe also allen Grund, hier nachzubessern. Gleichzeitig sei es aber widersinnig, Eingriffe in den Nationalpark durchzuführen, wenn es keine Tunnel-Genehmigungen gibt. „Virus“ hat daher nun Einwände gegen die Bohrungen erhoben und kündigt Rechtsmittel gegen allfällige Genehmigungen an.

Wolfgang Rehm
Archiv

Wie steht man bei der Asfinag zu den Vorwürfen? „Diese Erkundungsmaßnahmen sind für eine absolut sichere Bauabwicklung unverzichtbar“, erklärt Alexander Walcher, Geschäftsführer der Asfinag Bau Management GmbH. „Wir müssen wissen, wie sich der Untergrund an exakt den Stellen verhält, wo später die kleinen Verbindungstunnel zwischen den beiden Hauptröhren gegraben werden. Damit ist höchste Sicherheit für die Bauarbeiter vor Ort garantiert.“

Die Arbeiten würden in enger Abstimmung mit der Nationalparkverwaltung und der Forstbehörde (MA 49) abgewickelt werden: „Es handelt sich um eine Standardvorgangsweise, die etwa beim Bau der U-Bahn in Wien geübte Praxis ist“, führt Alexander Walcher weiter aus. Und weiter: „Es wird dabei zu keinerlei negativen Auswirkungen auf die Natur im Nationalpark kommen.“