Nach Fällung: Eine alte Linde war’s. Nachdem die NÖN vergangene Woche über das Winklerkreuz berichtete, meldete sich Botaniker Herbert Slad zu Wort: Es war keine Eiche, die dem Straßenbau zum Opfer fiel.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 15. April 2021 (04:41)
Beim Spatenstich für die Verbreiterung der L 11 stand sie noch im Hintergrund, die Linde. Wenig später musste sie weichen.
Gemeinde

Vergangene Woche berichtete der NÖN-Spaziergänger vom nunmehr einsam verbliebenen Winklerkreuz, einem alten Wegmarterl, das nun unbeschattet von einer alten Eiche am kargen Straßenrand der ausgebauten Landesstraße 11 nach Raasdorf steht.

Das war auch dem aufmerksamen NÖN-Leser Herbert Slad nicht entgangen. Der Botaniker wusste, dass es keine Eiche, sondern eine Linde war, „eine wohl Jahrhunderte alte Herzlinde“, die dem Straßenbau zum Opfer fiel. Und er weiß, dass es sich um ein Naturdenkmal handelte, eines von fünf in Groß-Enzersdorf. SPÖ-Bürgermeisterin Monika Obereigner-Sivec erklärte dazu, dass die Bezirksbehörde dem Baum den Status als Naturdenkmal aberkannt hatte und dieser deshalb gefällt werden durfte.

Davon wusste wiederum die BH bis dato nichts. „Die Winterlinde ist ein Naturdenkmal, scheinbar war sie’s. Aber es gibt keine Aberkennung oder Bewilligung zur Entfernung“, sagt Wolfgang Merkatz, Stellvertreter des Bezirkshauptmanns. Man werde den Fall nun aufgreifen, und „die notwendigen naturschutzrechtlichen Maßnahmen setzen“. Derweil beruft sich die Bürgermeisterin gemeinsam mit Straßenmeister Christian Pomassl auf eine Besprechung mit einem Mitarbeiter ebendieser Behörde.

Nun wurde allseits recherchiert – und tatsächlich fiel der Schutzstatus schon 2013, als einige morsche Äste abgeschnitten wurden. Daher Entwarnung vonseiten der BH: „Es ist zwar schade um den alten Baum“, so Merkatz, „aber die Entfernung war rechtens.“ „Das ist frevelhaft, eine Barbarei“, entrüstet sich Botaniker Slad darüber, dass der Straßenmeister mit der Behörde ein derartiges Naturgut wegreden könne. Die Stadtchefin wurde gebeten, für Ersatz zu sorgen. Es wird nach einem Standort dafür gesucht.