Groß-Enzersdorf

Erstellt am 11. Januar 2017, 03:06

von Ulla Kremsmayer

Nön-Reportage: Alle feierten am 1. Jänner. In Syrien werden neue Erdenbürger nicht mit dem genauen Tag der Geburt angemeldet, es genügt das Jahr.

Gleich sieben Syrer feierten am Jahresbeginn ihren Geburtstag und durften sich Geschenke beim Textil-Diskonter aussuchen.  |  Kremsmayer

Jeder, der mit Syrern zu tun hat, kennt das: Alle haben das Geburtsdatum 1. Jänner. Weil der genaue Tag der Geburt, bei uns Identitätsmerkmal Nummer 1, dort eben keines ist. Nach den dort üblichen Hausgeburten geht der Vater, wenn er eben vorbeikommt, zum Amt, und meldet den neuen Bürger. Es genügt, das Jahr anzugeben, alles andere ist Luxus – Luxus, den man nur dann braucht, wenn man ins Ausland will und dort verwundert der Tag nachgefragt wird.

Einfacherweise wird sodann der 1. Jänner angegeben. Und so haben sieben Mitglieder unserer mittlerweile zehnköpfigen Familie an ebendiesem Tag Geburtstag. Die Neuzugänge wissen schon davon, denn das war eine der ersten Kuriositäten Österreichs, die von den schon länger hier ansässigen Buben kolportiert wurde: Am Geburtstag gibt es Torte, Kerzen und Geschenke und alle singen laut – aber bitte nicht am Neujahrstag, also wird der Dreikönigstag mit Sachertorte begangen.

Das kann dann nur noch mit dem ersten Schnee und einer Rodelpartie getoppt werden. Schwieriger schon die Einlösung des Geburtstagsgeschenkes: Jeder darf sich eine Kleinigkeit beim Textil-Diskonter aussuchen. Während die Kleinen glücklich über Shirt und Seifenblasen sind, wird es bei Fatima und Asmaa schon schwieriger: Es sind keine langen, wallenden Gewänder im Angebot und auch keine Kopftücher – und meine modischen Tipps prallen ab. Und uns wird zunehmend klar, dass die Geschmäcker der Damenwelten nicht so schnell zusammenrücken werden. Dafür gibt noch ein Stück Torte vom Vortag, die schmeckt allen.