ÖVP: Jeder gegen jeden?. Während sich Wachmann offiziell als NEOS-Kandidat präsentierte, wettert seine ehemalige Partei, die VP, weiter gegen Rot und ficht auch interne Grabenkämpfe aus.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 06. September 2019 (04:52)
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Ungewohnte Farben: Reinhard Wachmann und Tochter Anna warben am Frischemarkt für die NEOS.

Reinhard Wachmann machte es am Samstag offiziell für alle: Er stellte sich auf den Frischemarkt und hüllte sich in NEOS-Pink, mit von der Partie seine Familie – Tochter Anna sogar mit pinkem Haar – und einige andere ÖVP-Abtrünnige wie Mario Kaider. Die Reaktionen waren nicht nur rosig.

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Im BlackLions-Newsletter empören sich vier VP-Gemeinderäte rund um Gottfried Rotter über das rote Dosenschießen am Familienfest.

„Einige gratulierten mir zum mutigen Schritt, andere haben mir wieder vorgeworfen, ein Verräter zu sein“, berichtet Wachmann. Er war im Juli überraschend von seiner eigenen Partei, der ÖVP, als Wirtschaftsstadtrat abberufen worden und agiert seither als freier Mandatar. Bei den kommenden Gemeinderatswahlen wird er für die NEOS kandidieren. Viele hätten gemeint, er hätte wenigstens „nur“ eine Bürgerliste gründen sollen. Doch das schien ihm zu wenig nachhaltig.

„Eine Bürgerliste ist meist auf eine Person zugeschnitten, das passt hier nicht. Denn ob ich als Spitzenkandidat für die NEOS antreten werde, ist noch gar nicht heraus. Ich bin ja mit 55 ein Auslaufmodell. Vielleicht macht es auch der Mario Kaider oder meine Frau Karin. Das werden wir alles erst sehen.“

Dosenschießen sorgt weiterhin für Aufruhr

Derweil flatterte den Haushalten ein Newsletter der BlackLions in Haus. Darin empören sich vier VP-Gemeinderäte rund um Gottfried Rotter über das rote Dosenschießen am Familienfest und fordern den Rücktritt der Bürgermeisterin. „Wir haben uns dem Klartext verschrieben und berichten ohne Filter“, wird getitelt. Auch Rotter war einst Stadtrat und ist derzeit nur noch einfaches Gemeinderatsmitglied. Damals hieß es vonseiten der Parteispitze, man wolle mehr auf Zusammenarbeit setzen, was sich mit den BlackLions wohl schwierig gestaltet. Also liegen dahinter eher Grabenkämpfe, die sich auch gegen den Gemeindeparteichef Peter Cepuder richten, so Insider.

Wachmann, mittlerweile Outsider, kann das bestätigen, will sich aber „mit den ÖVP-Querelen nicht mehr aufhalten“ und sich auch nicht mehr „in Anschuldigungen gegen andere verbeißen“. Der Stadtler, das offizielle Organ der Groß-Enzersdorfer VP, kommentiert dies alles übrigens nicht.

Stadtparteichef René Hefler winkt ab: „Es gibt keine Spaltungen oder Grabenkämpfe. Wenn wir Klartext reden und auch persönliche Angriffe starten wollen, bedienen wir uns eben der BlackLions. Cepuder will nur sanfte Töne.“ Gegen Wachmann hingegen schießt er scharf. „Ein Mann, der seine Rechnungen nicht mehr begleichen kann – es geht etwa um Werbebanner für seinen Golfübungsplatz – ist als Wirtschaftsstadtrat nicht mehr tragbar.“