Quarantäne ignoriert: Drei Monate bedingt. Drei Monate bedingt setzte es für einen 25-Jährigen, der einen Quarantäne-Bescheid ignoriert hatte. Der Angeklagte tat sich allerdings schwer, der Verhandlung inhaltlich zu folgen.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 10. September 2021 (05:20)
Geschworenenprozess am Landesgericht Korneuburg
Geschworenenprozess am Landesgericht Korneuburg
APA

Die Verhandlung am Landesgericht Korneuburg wegen des Paragrafen 178, Gefahr der Verbreitung einer übertragbaren Krankheit, begann bei Richter Martin Bodner mit der Frage an den 25-jährigen Angeklagten, warum er den letzten Verhandlungstermin nicht wahrgenommen hatte. Die Antwort sollte prägend werden für den Prozess: „Ich habe nicht gewusst.“ Denn das Sprichwort „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ sollte seine praktische, juristische Anwendung finden.

Auf die Frage, warum er gegen den Corona-Absonderungsbescheid der Bezirkshauptmannschaft Gänserndorf am 15. März dieses Jahres verstoßen habe und nicht zu Hause gewesen sei, sagte der serbische Staatsbürger, der in Groß-Enzersdorf wohnt: „Ich war mit Hund Gassi.“ „Ja, das ist nicht zu Hause“, versuchte sich Bodner dem Angeklagten verständlich zu machen. Tatsächlich stand in dem Bescheid, dass die Quarantäne bis inklusive 15. März angeordnet wurde.

„Mit Ablauf dieses Tages tritt der Bescheid außer Kraft“, sei extra in fetten Buchstaben geschrieben, wies Bodner den Angeklagten, der ohne Rechtsvertretung, aber mit seiner 17-jährigen Schwester zur Verhandlung erschien, auf die Deutlichkeit der Information hin. Außerdem hatte er den für 11. März anberaumten PCR-Test verpasst, weswegen die Behörde am 13. März zu der Familie kam, um den Test nachzuholen. Das Ergebnis war das denkbar schlechteste – Corona-positiv.

Auch das habe er nicht gewusst und immerhin sei er ja getestet worden. Dass davor bereits seine gesamte Familie an dem Virus laborierte, schien den jungen Mann ebenfalls wenig zu irritieren. Insgesamt konnte man den Eindruck gewinnen, dass der Angeklagte sich schwer tat, der Verhandlung inhaltlich zu folgen und eine gewisse intellektuelle Unbedarftheit aufwies. Das bewahrte den Unbescholtenen – siehe oben – jedoch nicht vor dem Urteil zu drei Monaten bedingter Freiheitsstrafe.