Steine als Mahnmal für ermordete Juden. Stadtler gedenken der Juden, die hier wohnten und ihr Leben verloren.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 29. November 2019 (05:35)
Vor dem Haus der Bäckerei Müller-Gartner wurde ein Stein für die Schuhmacherfamilie Kessler verlegt. Im Bild: SP-Bürgermeisterin Monika Obereigner-Sivec, Grünen-Stadtrat Martin Sommerlechner und SP-Vizebürgermeister Michael Paternostro.
Kremsmayer

Lange war sie totgeschwiegen, die Geschichte der Juden. Die 1938 noch hier lebenden Männer und Frauen wurden beim Novemberpogrom deportiert. Keiner kam zurück, gut die Hälfte der Stadtler Juden wurde ermordet. Überlebende, die nach dem Krieg von ihrem Schicksal berichten wollten, wurden nicht gehört.

Erst in diesem Jahrzehnt wurde begonnen, die unrühmliche Geschichte aufzuarbeiten, 2013 mit der Ausstellung „Die Juden in Groß-Enzersdorf“ und jetzt mit der Verlegung der Steine der Erinnerung, die an die Ermordeten der Stadt mahnen. Diese wurden an sieben Stellen platziert. Eine recht große Schar Groß-Enzersdorfer zog mit SP-Bürgermeisterin Monika Obereigner-Sivec, Grünen-Stadtrat Martin Sommerlecher sowie Liedermacher Martin Auer von Ort zu Ort und hörte die traurigen Geschichen der Menschen, die dort einst wohnten.

In der Franz-Josef-Straße lebten im Kantorenhaus auch die Quittners, drei Häuser weiter die Mandls und die Mandlers. Sie wurden nach Maly Trostinec und Kowno deportiert und umgebracht. Auch vor dem Reiterhaus in der Elisabethstraße – gleich neben dem Katz-Haus, das zum NSDAP-Hauptquartier wurde – liegt nun ein Stein.

Hier wohnten die Fleischmanns. Jakob Fleischmann kam im Ersten Weltkrieg in die Kavalleriekaserne Groß-Enzersdorf und war Schuhmacher. Beide wurden 1941 in Riga ermordet. Sohn Walter floh mit seiner Frau Richtung Palästina, doch die Briten ließen das Schiff nicht anlegen. Es wurde versenkt und beide kamen ums Leben. Nur die Tochter konnte sich retten. Mithilfe dieser Gedenksteine soll weiterhin an die Juden der Stadt erinnert werden.