Stolpersteine waren kurz weg. Große Aufregung, da Erinnerungsmarkierungen für ermordete Juden vor dem Grundstück der früheren Synagoge in Groß-Enzersdorf fehlten.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 27. Februar 2021 (03:39)
Vor dem Grundstück in der Kaiser-Franz-Josef-Straße waren sogenannte „Stolpersteine“ verschwunden.
Kremsmayer

Das Grundstück in der Kaiser-Franz-Josef-Straße hat schon für einige Aufregung gesorgt. Denn dort stand die Synagoge von Groß-Enzersdorf. Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, wurde sie in den 1960er-Jahren abgerissen – nachdem die Groß-Enzersdorfer Juden in der Nazi-Zeit deportiert und großteils ermordet wurden und die wenigen Überlebenden nicht ins Stadtl zurückgekehrt waren.

Die jüdische Kultusgemeinde in Wien, die Besitzerin des Grundstückes, zeigte auch späterhin kein Interesse mehr und verkaufte das Grundstück mit dem alten Kantorhaus schließlich in den 1990er-Jahren. Nach dem Weiterverkauf vor drei Jahren an die Firma Glorit, die dort eine Wohnhausanlage errichten will, wurde die Gemeinde aktiv und fragte erneut nach.

Fazit: Die Grundmauern wurden im Auftrag des Denkmalamtes archäologisch befundet, dann durfte auch das Kantorhaus abgerissen und mit dem Neubau begonnen werden. Zuvor wurden allerdings noch sogenannte „Stolpersteine“, bronzene Erinnerungsmarkierungen für ermordete Juden, im Asphalt des Gehsteigs vor dem Grundstück eingelassen. Genau die sind jetzt auch verschwunden.

Die Aufregung war wieder groß, Kulturstadtrat Martin Sommerlechner urgierte rasch. „Arbeitern waren sie bei der Zufahrt im Weg gewesen und sie waren leider auch nicht so schnell wieder auffindbar.“ Jetzt wurden sie doch noch gefunden. „Nach Fertigstellung des Baus werden sie wieder montiert – hoffentlich rechtzeitig zu den Erinnerungstagen für das November-Pogrom, die wir im Herbst wieder begehen wollen“, so Sommerlechner.