Synagoge: Letzter Stein weg. Das geplante Bauvorhaben der Firma Glorit am Standort der ehemaligen Synagoge in der Kaiser-Franz-Josef-Straße sorgt zurzeit für Interesse und Erstaunen bei der Bevölkerung.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 17. Juli 2020 (11:33)
Nichts mehr übrig: Hier stand einst die Synagoge von Groß-Enzersdorf.Kremsmayer

Viel Erstaunen und Interesse hatte schon die archäologische Freilegung der Grundmauern der alten Synagoge hervorgebracht. Jetzt, da das alte Kantorhaus weggerissen und alles planiert wurde, sind viele erschrocken: Hätte man das Denkmal nicht erhalten oder gar wieder aufbauen können?

Errichtet 1897 durch Architekt Jakob Gartner war die Synagoge bis zum Jahr 1938 als Gebetshaus in Betrieb. Im November 1938 wurden die Juden Groß-Enzersdorfs brutal verladen und fortgebracht. Mehr als die Hälfte von ihnen kam in Konzentrationslagern um. Nach dem Krieg kehrte keiner der Überlebenden zurück, die Groß-Enzersdorfer Kultusgemeinde war erloschen. Die Kultusgemeinde Wien zeigte hernach wenig Interesse, das beschädigte Gebäude wurde in den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts abgerissen, das Grundstück schließlich an Private verkauft.

Dann wurde es neuerlich weitergegeben, die Firma Glorit hatte die Liegenschaft im Jahr 2018 erworben und reichte 2019 um die Bewilligung für die Errichtung einer Wohnhausanlage ein. Das erschreckte auch die Stadtgemeinde. Sie informierte das Bundesdenkmalamt und die israelitische Kultusgemeinde über das Bauvorhaben. Doch keiner der Beteiligten hatte grundlegende Einwände dagegen. So kam man überein, zur Sicherung des jüdischen Kulturgutes das Fundament der Synagoge wenigstens archäologisch untersuchen zu lassen.

Im Zuge dieser Arbeit konnte zumindest ein Fundamentstein geborgen und archiviert werden. Die Dokumentation der archäologischen Untersuchungen wird in der Schriftenreihe des Denkmalamtes publiziert, ebenso fließen die Informationen in die Topothek ein. Damit konnte mit dem Wohnungsbau begonnen werden. Die Erinnerungstafel mit dem Bild der Synagoge wird nach Fertigstellung des Baus wieder angebracht.