Syrer hält Vortrag: Was blieb vom Orient?. Syrer Mustapha Khatib lebt seit 2015 gemeinsam mit seiner Familie in Österreich. Kommenden Samstag erzählt der Flüchtling im Kotter von seinem alten Heimatland.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 12. November 2017 (04:06)
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Mustapha Khatib und seine Familie servierten Kekse und Tee zum Besuch. Auch ein Christbaum fand bereits Platz im Haus.Kremsmayer
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Was blieb vom Orient? Diese Frage stellt sich Mustapha Khatib, Flüchtling aus Syrien, am kommenden Samstag ab 19 Uhr bei einem Bilder-Vortrag im Kotter.

Khatib kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken: Im Syrien der späten 70er-Jahre, das sich unter Assad Senior an die Sowjetunion anlehnte, sich gleichzeitig aber auch dem Westen öffnete, konnte der junge Mustapha im damals ostdeutschen Dresden Technik studieren. Nach dem Studium kehrte er nach Damaskus zurück, wo er als Bauingenieur und nebenbei als Reiseführer für deutsche Touristen sein täglich Brot verdiente.

Eine neue, sichere Heimat musste her

Mit der Geburt seiner beiden Töchter Maria und Sarah, die später ein Technikstudium begannen, konnte das Interesse für die Technik in der Familie weitergegeben werden. Doch im Jahr 2015 wurde es auch in ihrer bislang eher ruhigen Heimatstadt immer gefährlicher, letztlich erreichten die Bombenangriffe auch das Viertel der Khatibs: Die Kinder konnten nicht mehr aus dem Haus, der Weg zur Ausbildungsstätte wäre zu gefährlich gewesen – eine neue, sichere Heimat musste her.

Das Ziel war klar, Mustapha wollte in ein Land, dessen Kultur und Sprache er versteht, und entschied sich für Österreich. Doch der Weg war steinig und hart: Nach einem Flug nach Istanbul ging die Reise per Schlauchboot und zu Fuß weiter, bis er es schließlich bis nach Traiskirchen schaffte.

Das große Glück folgte jedoch erst später: Weihnachten 2015 erhielten er und seine Familie einen positiven Asylbescheid. Seitdem leben sie in einem kleinen Haus in Orth. Die Töchter studieren mittlerweile an der Universität Wien und auch die Söhne werden wohl bald folgen.