Übung: Soldaten bewachen Pharmabetrieb nach Anschlag. Im Weinviertel (Groß-Enzersdorf sowie Hagenbrunn) übte am Mittwoch das Bundesheer den Terror-Ernstfall.

Von Sandra Frank. Erstellt am 22. März 2017 (14:37)

Soldaten des Aufklärungsbataillon 3 der Mistelbacher Kaserne durchsuchten einen Lkw, der auf das Betriebsgelände von Pharma Logistik Austria in Groß-Enzersdorf fuhr. Als der Fahrer die hinteren Türen öffnet, ruft einer der Soldaten „Waffe!“. Dann geht alles schnell: Die Soldaten sichern die Waffe, dem Fahrer werden Handschellen angelegt. Zeitgleich versperrt  ein Militärfahrzeug die Firmenzufahrt, um sie zu blockieren.

Diese Übungsszene spielte sich Mittwochvormittag am Betriebsgelände der Pharmafirma ab. Diese Szene gehört zur dreitägigen Übung „AIDA“, bei der Bundesheer und Polizei den Ernstfall üben und ihre Zusammenarbeit verbessern.

„Wir bereiten uns auf das vor, was hoffentlich eh nicht kommt“Roland Scherscher, Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz

Monika Vögele, Phago-Generalsekretärin,  erklärte, weshalb die Pharmabetriebe als  „kritische Infrastruktur“ und darum als schützenswert eingestuft werden: „Der Arzneimittel-Großhändler sind das Rückgrat der Arzneimittelversorgung.“ Fällt diese aus, so dauere es nur wenige Tage, bis die Versorgung in ganz Österreich steht.

Insgesamt gebe es in Österreich sechs solcher Großhändler mit  etwa 2.000 Mitarbeitern. „Jeder Ort kann  - auch in Ausnahmesituationen – innerhalb von zwei Stunden belieferten werden“, spricht Vögele die flächendeckende Versorgung an.

„Wir bereiten uns auf das vor, was hoffentlich eh nicht kommt“, hofft Roland Scherscher, Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz. Eine Übung wie AIDA bestehe aus Repression und Prävention.

Die Repression, die war an Tag eins der Übung (Dienstag): Ein Terroranschlag auf die Pharmafirma konnte von der Polizei und Spezialeinheiten vereitelt werden. Danach wurde das Militär als sicherheitspolizeiliche Assistenz zur Sicherung des Geländes, angefordert. Der Soldat übe dann die Funktion eines Polizisten aus, bleibe aber in Uniform.

Die „ausgezeichnete Zusammenarbeit auf Landesebene“ zwischen Polizei und Bundesheer lobte Wolfgang Kaufmann vom Militärkommando NÖ. Aufgrund der aktuellen Situation in Europa sei eine Zusammenarbeit wie diese  notwendig geworden.

Kommandant zufrieden: „Die sind voll motiviert“

Hans-Peter Hohlweg ist Kommandant der Mistelbacher Kaserne, sie gehört zum KSE, dem Verband vom „Kommando Schnelle Einsätze“, „der neuen Speerspitze des Bundesheeres“, wie Hohlweg den Verband nennt. Dieser werde auf Einsätze nach Anschläge spezialisiert.

Das Aufklärungsbataillon 3 hat bei der Übung AIDA den Auftrag die Schutzobjekte der Pharma Logistik Austria in Groß-Enzersdorf sowie Phoenix Arzneiwarengroßhandlung in Hagenbrunn (Bezirk Korneuburg) - dort ging die Übung zeitgleich über die Bühne – zu bewachen und die Polizei zu unterstützen.

Die Mistelbacher waren mit 313 Soldaten – davon neun Frauen – im Einsatz. 132 davon sind Milizsoldaten. „Die sind voll motiviert“, stellte der Kommandant auch bei den Milizsoldaten fest. Ziele der Übung sind vor allem die Zusammenarbeit zwischen Behörden, Polizei und Bundesheer zu optimieren, aber auch die zivile Infrastruktur trotz Kontrollen aufrecht zu erhalten. Außerdem berichtet Hohlweg schmunzeln: „Wenn ein mutmaßlicher Attentäter das ganze Militär und die hohe Polizeipräsenz sieht, dann fährt er weiter …“

Der Betrieb in der Pharmafirma geht übrigens trotz Übung normal weiter.

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