Wohnungsbrand: „Ich hatte furchtbare Angst“. Das Hantieren mit offenem Feuer nennt die Landespolizei als Ursache für einen Brand, bei dem ein Mensch sein Leben verlor.

Von Sandra Frank und Ulla Kremsmayer. Erstellt am 14. April 2021 (05:50)

Eine dunkle Rauchsäule wies den Feuerwehrkameraden von Groß-Enzersdorf am vergangenen Mittwoch den Weg zu ihrem Einsatzort: Die Kameraden wurden am Mittwochabend zu einem Wohnungsbrand in der Lobaustraße mit vermisster Person gerufen, für diese kam leider jede Hilfe zu spät.

„Brandursache dürfte das Hantieren mit offenem Feuer bzw. Rauchwaren gewesen sein“, informierte Heinz Holub, Sprecher der Landespolizeidirektion NÖ, zwei Tage nach dem Brand. Als die Feuerwehrkameraden am Einsatzort eintrafen, stand die Wohnung bereits in Vollbrand. Sofort wurde die Evakuierung von acht Bewohnern des Hauses angeordnet.

Friedrich Kovacic war vor dem Eintreffen der Feuerwehr von einer Passantin herausgeläutet worden. „Bei euch brennt’s!“, rief sie und sagte, sie habe die Feuerwehr bereits verständigt. Bei Ruth Akladius wurden ebenfalls geläutet, doch als sie zur Sprechanlage kam, war niemand dran. Vom Fenster aus sah sie nur einen Möbelwagen, weshalb sie vermutete, dass die Möbelpacker geläutet hätten, die auch „das Gerumple von oben“ verursacht haben. „Ein Pumpern“ hörte auch Johann Reifböck, direkter Nachbar der Brandwohnung.

Indes lief Kovacic hinauf zur brennenden Wohnung, konnte aber nicht hinein: „Die Tür war versperrt!“ Da begegnete er bereits der Feuerwehr, die eine erste Löschleitung über das Stiegenhaus zu der brennenden Wohnung aufgebaut hatte. Über eine Drehleiter erfolgte ein zweiter Löschangriff, um die Feuerwehrmitglieder im Inneren des Gebäudes zu unterstützen.

Die Feuerwehrmitglieder gingen von Tür zu Tür, läuteten und klopften. Da wurde Ruth Akladius klar, was passiert war. „Ich zitterte aufgeregt, hatte Angst und mir war bitterkalt“, berichtet sie der NÖN. Sie hatte sich nur eine dünne Jacke angezogen, draußen wechselten sich Graupelschauer und Schneesturm ab. Sie dufte sich in einem Rettungswagen aufwärmen. „Die Einsatzkräfte waren wirklich vorbildlich“, lobt ihr Mann, „alle, Feuerwehrleute, Rettung und Polizei, so kompetent, beruhigend und fürsorglich.“

Nach zweieinhalb Stunden war der Einsatz der Feuerwehr beendet. Die Anwohner durften wieder in ihre Wohnungen. Für den Vermissten kam jede Hilfe zu spät, nur eine Leiche wurde gefunden, die „vermutlich ein Mann war“, wie es zunächst hieß.

Die Nachbarn aber sind sich sicher, dass es der Wohnungsinhaber – ein älterer Herr im Rollstuhl – war, der dem Feuer nicht mehr entkommen konnte. Der Mann war starker Raucher und brauchte Sauerstoff. Insgesamt waren 79 Feuerwehrkameraden mit 17 Fahrzeugen im Einsatz. Zur Klärung der Tragödie waren Ermittler des Bundes- und Landeskriminalamtes im Einsatz.