„Zeitreise“ im Stadtl. Neuer Lehrpfad in Groß-Enzersdorf soll auf die historischen Besonderheiten hinweisen.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 05. November 2020 (03:45)
Anthropologin und Autorin Pamela Klena-Pail im selbst genähten Kostüm vor der Mittelalterstation im Burghof: „Man begreift das Werken in der Geschichte erst, wenn man es selber tut.“Kremsmayer

Jetzt stehen also wieder einmal neue Tafeln in Stadtgebiet, nachdem einige der Schilder aus der Serie der Stadtmauerstadt sonnenverbrannt und unlesbar geworden waren. Da murrten einige auf Facebook. Wiederum Tafeln zur Geschichte, teils thematisch auf den ersten Blick etwas unvermutet und ohne Sinnzusammenhang – wie etwa die Geschichte der Medizin im Stadtpark.

Die Positionen der Tafeln wurden so gewählt, dass sie in Blickrichtung der Originalfundplätze in Groß-Enzersdorf stehen. Die Karte zum Lehrpfad liegt beim Bürgerservice im Rathaus auf. Infos auf www.zeitreisegrossenzersdorf.at.
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„Die Erklärungen hätten anlässlich der Eröffnung des Lehrpfades erfolgen sollen“, sagt Pamela Klena-Pail, Anthropologin, Ortsvorsteherin und Autorin der Texte. Doch Eröffnung und dazugehöriger Vortrag hätten Mitte November erfolgen sollen und müssen jetzt coronabedingt einfach ausfallen.

„Die Medizintafel steht im Park, weil hier ein Hildegard- von-Bingen-Park entstehen soll und die Kräuterkunde der mittelalterlichen Klosterfrau durchaus etwas mit der historischen Heilkunde zu tun hat.“ Die Idee zur „Zeitreise“, wie der Lehrpfad heißen wird, kam Pamela Klena-Pail, als sie, die selbst bei einer Ausgrabung in Oberhausen beschäftigt war, im Gemeindegebiet auf interessante Funde stieß und feststellen musste, dass die Groß-Enzersdorfer von ihren Spuren kaum etwas wussten. „Viele fragten mich, aus welcher Zeit die Gräber waren und zeigten sich verwundert, wenn ich ihnen antwortete: ‚Aus dem 6. bis 9. Jahrhundert nach Christus‘. Die meisten wussten nur, dass wir in Groß-Enzersdorf eine mittelalterliche Stadtmauer haben, und 1809 Napoleon die Stadt belagert hatte. Aber eine Geschichte davor? Da waren viele überrascht.“

„Es gibt hier Funde ab der Jungsteinzeit“

Klena-Pail wurde neugierig und bat das Bundesdenkmalamt um einen Auszug aus dem Fundverzeichnis in der Großgemeinde. „Und siehe da – es gibt hier Funde ab der Jungsteinzeit.“ Also ging die Anthropologin ans Werk und begann einen Rundgang zu den verschiedenen Ausgrabungsorten zu errichten. So soll der Lehrpfad den Bogen „von längst vergangene Zeiten der Urgeschichte bis in die Neuzeit spannen“. Bei den jeweiligen Stationen werde man sich über Leben und Alltag der Menschen von damals informieren können, und darüber, wo die bisher bekannten Siedlungsplätze im Raum Groß-Enzersdorf in der jeweiligen Zeit lagen.

Neben der Heilkunde gibt es also Tafeln zu Jungsteinzeit, zur Bronze- und Eisenzeit, zu Römern und Germanen, zur Völkerwanderung, zum Mittelalter und zur Neuzeit – diese jeweils mit Erlebnisschwerpunkten wie Musik, Astronomie oder Runenkunde ergänzt. „Für die Erlebnistafeln habe ich nicht nur recherchiert, sondern auch selbst unter fachmännischer Leitung etwa ein Messer geschmiedet. Vieles begreift man erst wirklich, wenn man es selber tut. Davon bin ich seit Kursen wie dem Knochen- und Geweihschnitzen, Messer- und Pfeilspitzeschmieden, urgeschichtlichen Kochen und Töpfern mehr denn je überzeugt.“