Ärzte fordern faire Corona-Impfstoffverteilung. Ärzte fordern Chancengleichheit und faire Verteilung der Seren auf alle Stellen, bei denen es Impfungen gibt.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 22. April 2021 (03:08)
Helmut Legat, praktischer Arzt in Groß- Schweinbarth, impft in seiner Ordination seit Anfang April.
Mauritsch

Die Entscheidung, künftig Covid-19-Schutzimpfungen in Impfzentren zu konzentrieren, führte zu einem Schlagabtausch zwischen Notruf Niederösterreich und der Ärztekammer – durchaus zur Verunsicherung und auch zum Ärger der Bewohner des Bezirks. Vor allem die Meldung, dass die beliebten mRNA-Impfstoffe dann nicht mehr beim Hausarzt verfügbar sein sollen, erhitzte die Gemüter.

Helmut Legat, praktischer Arzt in Groß-Schweinbarth, impft in seiner Ordination seit Anfang April. „In der Pandemie soll so schnell und so viel wie möglich geimpft werden. Das funktioniert sicher am besten in Zusammenarbeit mit Impfzentren und Ordinationen. Sich nur die ,guten‘ Impfstoffe unter den Nagel zu reißen, führt zur Ausdünnung und in den Impfstraßen wird es Ärger und Stau geben. Das ist kein gutes Service an unseren Patienten.“

„Es soll so schnell und so viel wie möglich geimpft werden.“ Helmut Legat, Allgemeinmediziner

Das sehen auch Patienten so. Eine von ihnen meint: „Unser Hausarzt hätte in spätestens zwei Wochen alle durchgeimpft.“ Logistische Probleme kann sie nicht nachvollziehen: „Es war ja wahrlich genug Zeit, sich darauf vorzubereiten.“ Die Ärztekammer fordert daher eine Chancengleichheit und faire Verteilung der Impfstoffe auf alle Stellen, in denen Impfungen angeboten werden.

Was passiert eigentlich mit den bereits gebuchten Impfterminen in den Hausarztordinationen? Stefan Spielbichler, bei Notruf Niederösterreich zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, informiert: „Natürlich bleiben die gebuchten Termine in den Ordinationen aufrecht. Alle niedergelassenen Ärzte wurden gebeten, auch die Zweittermine, die ja bis in den Juni gehen, fortzuführen.“

Das bestätigt auch Birgit Jung, Pressesprecherin der Ärztekammer Niederösterreich: „Bereits vereinbarte Termine für eine Erst- und Zweitimpfung bleiben mit dem vereinbarten Impfstoff aufrecht.“ Laut Spielbichler ist ein Hauptgrund für die Impfzentren die logistische Herausforderung des Transportes der mRNA-Impfstoffe: „Die Seren werden in den Verteilzentren tiefgekühlt gelagert und müssen vor dem Transport aufgetaut werden. Dann bleiben vier Tage für die Verimpfung. Wir können allerdings nur 60 Stellen pro Tag anfahren.“

Im niedergelassenen Bereich soll daher künftig schwerpunktmäßig der Impfstoff von Johnson & Johnson zur Anwendung kommen, der von den Ärzten dann auch direkt bestellt werden kann. Allerdings: Dessen Auslieferung wurde vom Hersteller gestoppt. Ob und wann sich das ändern wird, ist derzeit ungewiss. „Der Stoff kann maximal ein halbes Jahr bei normaler Kühlung gelagert werden. Es bedarf nur einer Impfung und er ist für den mobilen Einsatz geeignet“, so Spielbichler – wenn das Serum denn auch kommt.

Die Ärztekammer ortet eine Ausdünnung der Ordinationen. „Der Großteil der Impfstoffe wurde in den Praxen im niedergelassenen Bereich verimpft. In keiner Ordination gab es Probleme, die Ärzte waren sehr gut vorbereitet, die Verabreichung verlief komplikationslos“, so Jung. Die Änderung könne man nicht nachvollziehen. Und weiter: „Sicher ist, dass sich Patienten dort anmelden, wo sie ihren ,Lieblingsimpfstoff‘ erhalten.“ Ohne weitere Anmeldungen müssten aber die Ordinationen die Impfaktion einstellen und Impfungen würden dann künftig nicht mehr wohnortnah und beim Arzt des Vertrauens erfolgen.

Laut Spielbichler würden bei den Ärzten lediglich ein Viertel mit Biontech/Pfizer impfen, die anderen mit AstraZeneca. Doch gerade dieses Serum steht schon seit Wochen in der Kritik im Zusammenhang mit Thrombosen. Die Lieferverlässlichkeit lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Unter der Hand ist zu hören, dass bereits jetzt Ordinationen auf dem Impfstoff „sitzen“ bleiben. Die Menschen würden gar nicht kommen, wenn sie erfahren, dass AstraZeneca verimpft wird. Spielbichler hat dazu keine Zahlen: „Da die Menschen die Termine selbst buchen, kann man das nicht sagen.“

Übrigens: Von AstraZeneca soll laut Auskunft von Notruf Niederösterreich gerade mal so viel kommen, dass die zweite Teilimpfung durchgeführt werden kann. Ob das ein EU-Bestell- oder ein Lieferproblem ist, entzieht sich der Kenntnis von Notruf Niederösterreich.