Zeitzeugin erinnert sich: „Lebten am Dachboden“. Josefa Zwang, älteste Groß-Schweinbartherin, blickt für die NÖN auf die bewegten Tage rund um das Ende der Nazi-Herrschaft im Jahr 1945 zurück.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 13. Mai 2020 (03:23)
Josefa Zwang erinnert sich noch sehr genau ans Ende des Zweiten Weltkriegs.
Mauritsch

75 Jahre ist es mittlerweile her, dass die Nazi-Herrschaft und damit auch der Zweite Weltkrieg zu Ende gingen. Sinnloses Sterben war damit endgültig – zumindest auf österreichischem Boden – Geschichte.

Josefa Zwang ist Jahrgang 1923 und die älteste Groß-Schweinbartherin. Sie erinnert sich: „Wir waren im Arbeitsdienst in Költschen (heute Kołczyn, Polen – Anm.) bei einer guten Familie.“ Ende April machte sie sich gemeinsam mit Maria Schreier und fünf anderen Mädchen aus Poysdorf auf den Nachhauseweg. Teils zu Fuß, teils wurden sie mitgenommen.

„Wir waren sehr verschreckt. Wir mussten der Straße folgen, wir haben einander ja sonst nicht ausgekannt.“ Viele Flüchtende kamen ihnen entgegen. Soldaten von der rückweichenden Ostfront und Deutschstämmige, die ihre Heimat in Richtung Westen verließen. „Wir waren in Zivilkleidung unterwegs, mit unserer Arbeitsuniform wären wir sicher nicht weit gekommen“, erinnert sich Zwang. Gesprochen haben sie mit niemandem, die Angst war zu groß.

Zwang bekam Essen über die Heuluke

Zuhause angekommen, wurde Zwang mit anderen jungen Frauen am Dachboden des Familienhofes versteckt: „Wir waren lange Zeit dort oben, die Eltern haben uns Essen über die Heuluke hinaufgereicht.“ Dass sie nicht entdeckt wurden, schreibt Zwang den Aussagen ihrer Eltern zu: „Die Soldaten haben immer gefragt, ob Kinder da sind. Dann wurde gesagt, wir sind in Wien. Damit gaben sie sich zufrieden.“ Vom Kriegsende hat sie von den Eltern erfahren.

Nationalstolz kam damals keiner auf. „Der Krieg war zu Ende, aber die Angst ist lange geblieben. Wir haben in Wahrheit gar nichts wissen wollen, haben uns nur nach einem Stück weit Normalität gesehnt.“ Und weiter: „Die Soldaten waren da und dort schlimm.“