2020 ist heißer und trockener . Die ZAMG berichtet von einem Temperaturplus von 1,2 Grad Celsius und 3 Prozent weniger Niederschlag als im Schnitt.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 17. Juli 2020 (03:21)
Extremwetterereignisse werden zunehmen
APA (Symbolbild/dpa)

Besonders für Landwirte – und davon gibt es im Marchfeld viele – ist ein Blick auf das Wetter und die Klima-Entwicklung essenziell. Die Wetter-Halbjahresbilanz der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) bestätigt den Trend zu einem immer wärmeren Klima in Niederösterreich: Trotz des kühlen Monats Mai (-1,2 Grad Celsius) weist die Statistik ein um 1,6 Grad wärmeres Halbjahr aus. Damit ist es eines der zehn wärmsten ersten Halbjahre der Messgeschichte.

Für das Weinviertel wurde Groß-Enzersdorf als Referenz analysiert: Im „Stadtl“ war es um 1,2 Grad Celsius wärmer und es gab um 3 Prozent weniger Niederschlag als im klimatologischen Mittel (Mittelwert bzw. mittlere Summe 1981-2010, Jänner bis Juni).

Zweitwärmster Februar der Messgeschichte

Dem zweitwärmsten Februar der Messgeschichte (+4,9 Grad zum langjährigen Mittel) folgten die teils viel zu warmen und niederschlagsarmen Monate März (+1,3 Grad / -38 % Niederschlag) und April (+1,5 Grad / -72 % Niederschlag). Dem gegenüber steht ein etwas zu warmer und sehr niederschlagsreicher Juni (+0,7 Grad / +75 % Niederschlag). Insgesamt liegen die Niederschläge im ersten Halbjahr 2020 genau im Bereich des klimatologischen Mittels.

Die Temperaturen sind in den vergangenen Jahren gestiegen: 13 der 15 wärmsten Jahre wurden nach der Jahrtausendwende gemessen. Punkto Niederschlag lässt sich keine fundierte Tendenz ableiten. Gewiss ist jedoch, dass Böden und Vegetation zukünftig erhöhtem Stress ausgesetzt sind, wie ZAMG-Experte Alexander Orlik analysiert: „Die Erwärmung fördert Dürren, da Verdunstung und Austrocknung der Böden steigen. Außerdem verlängert sich die Vegetationsperiode, wodurch Pflanzen über eine längere Zeit dem Boden Wasser entnehmen.“

Die Niederschlagsdaten für Niederösterreich: Die unterschiedlichen Farben zeigen den Vergleich des Niederschlags mit dem Mittel 1981 bis 2010. 100 Prozent entsprechen dem Mittelwert.
ZAMG

In Jahren mit weniger Regen kommt es daher zu intensiveren Dürreperioden. Außerdem verursachen hohe Temperaturen bei vielen Pflanzen Hitzestress, was Auswirkungen auf Wachstum oder Schädlingsbefall haben kann. Eine hohe Bodenqualität fördert sein Speichervermögen. Durch einen vermehrten Humusaufbau kann er bei Starkregen wie ein Schwamm wirken, Wasser speichern und somit den Oberflächenabfluss und die Gefahr von lokalen Überschwemmungen reduzieren.

Nicht nur Landwirte, auch Gartenbesitzer sollten daher richtig mit dem Boden und der Wasserversorgung umgehen. Die meisten Gärten werden zu häufig mit kleinen Mengen gegossen. „Gießen Sie Ihre Pflanzen möglichst in der Früh ausgiebig und gezielt im Wurzelbereich“, weiß Katja Batakovic, fachliche Leiterin von „Natur im Garten“. Die oberen Zentimeter des Bodens sollten regelmäßig abtrocknen, denn ein ständig feuchter Boden verleitet die Wurzeln, nicht in die Tiefe zu wachsen.