Baum gefällt: Baby-Spechte aus Bruthöhle geworfen. Vier junge Baumbewohner werden nun in der Eulen- und Greifvogelstation großgezogen.

Von Stefan Havranek und Thomas Steiger. Erstellt am 06. Juni 2017 (20:59)
Vier Pfoten
Die Pfleger kümmern sich nun liebevoll um ihre neuen Schützlinge.

Nachdem ein alter Baum in Wien-Hietzing gefällt worden war, verloren vier Babyspechte ihr Zuhause.

Die Eulen- und Greifvogelstation (EGS) Haringsee kümmert sich nun bis zu ihrer Auswilderung um die unverletzten, aber elternlosen Schützlinge.

Morsche Bäume als Lebensraum

Der wissenschaftliche Leiter der EGS, Hans Frey, sieht diese Baumfällungen schon länger als Problem: „Leider ist dieser teilweise übervorsichtige Baumschnitt oft der Tod für viele Bewohner dieser Gehölze. Ich verstehe natürlich, dass hier auch versicherungstechnische Belange ein Thema sind.“

Vier Pfoten
Diese Bruthöhle war das Zuhause der Baby-Spechte. Die Mitarbeiter der Eulen- und Greifvogelstation konnten sie zum Glück unversehrt retten.

Alte, morsche Bäume sowie dichte, dornige und früchtetragende Hecken sind wertvolle Lebensräume für viele Tierarten.

„Vor allem im Frühling und Frühsommer sollte man vor dem Fällen eines Baumes unbedingt genau schauen, ob sich eine Spechthöhle, ein Vogelnest oder das Nest einer anderen Tierart wie Eichhörnchen, Siebenschläfer oder Fledermaus darin befindet“, empfiehlt Vier- Pfoten-Expertin Brigitte Kopetzky.

Glück im Unglück

„Wenn es allerdings unbedingt nötig ist, einen solchen Baum oder eine Hecke zu fällen, dann auf keinen Fall im Frühling – denn das ist die Zeit der Jungvögel“, so Kopetzky.

Vorsicht ist aber auch in anderen Jahreszeiten geboten: In den Wintermonaten dienen Baumhöhlen oft als Überwinterungsplätze, etwa für Fledermäuse.

Die zum Zeitpunkt des Fällens erst zwei Wochen alten Jungtiere hatten somit großes Glück, dass sie unversehrt geborgen wurden und nun liebevoll gepflegt werden.