Hetzkampagne: Quirin im Neonazi-Visier. Auf der rechtsextremen Website Metapedia werden angeblich „Fake-News“ über die Haringseer SP-Gemeinderätin verbreitet. Sie wehrt sich jetzt mit einem Anwalt.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 15. Februar 2018 (04:57)
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Über SP-Gemeinderätin Gudrun Quirin werden auf Metapedia angeblich Falschinformationen verbreitet.

Die Haringseer SP-Gemeinderätin Gudrun Quirin ist offenbar Opfer von rechten Internet-Aktivisten geworden: Googelt man ihren Namen, so erscheint als erste Suchanfrage ein Eintrag der rechtsextremen Seite Metapedia über die 35-jährige Politikerin, der laut ihr Falschinformationen über sie verbreitet. Sie will jetzt rechtliche Schritte ergreifen.

Quirin ist bestürzt: „Anfangs standen da noch Dinge wie etwa, dass ich ,Aktivistin der oftmals gewalttätigen Antifa‘ wäre oder andere unwahre Dinge, da habe ich noch darüber hinweggesehen.“ Bizarr: Auch ein Bild Quirins, für eine Halloween-Feier geschminkt, war zu finden, untertitelt mit „Die Bemalung soll offenbar Afrikaner ansprechen“. Irgendwann war der Bogen aber überspannt: „Mittlerweile wird der Artikel aber ständig erweitert und als plötzlich meine Kinder dort erwähnt wurden, reichte es mir. Ich schaltete meinen Anwalt ein.“

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Ein Screenshot der rechtsextremen Seite Metapedia mit dem Artikel über SP-Politikerin Gudrun Quirin.

Mittlerweile scheinen dort auch die Namen von anderen Sozialdemokraten aus dem Bezirk wie Nationalrat Rudolf Plessl, Landeshauptfrau-Stellvertreterin Karin Renner oder AK-Chef Robert Taibl auf.

Die rechtliche Lage sei aber schwierig: Metapedia ist eine Website mit Sitz in Schweden, die ähnlich wie Wikipedia aufgebaut ist. „Es gibt zwar einen Begründer der Website, die Artikel können aber von jedem unter einem Pseudonym verfasst werden, sodass es schwer möglich ist, herauszufinden, wer den Artikel über mich verfasst und erweitert hat“, erklärt Quirin. Sie habe aber neben ihrem Anwalt auch Kontakt zum stellvertretenden Klubchef der SP im Parlament, Thomas Drozda, aufgenommen.

Dem ist die Website nämlich schon länger ein Dorn im Auge. Er hat bereits bei der Staatsanwaltschaft eine Anzeige eingebracht, weil es auf der Website vor Beiträgen nur so wimmelt, die die Nazidiktatur verherrlichen oder Österreich verunglimpfen.

„Wünsche mir, dass die Website verschwindet“

Was ist nun das Ziel von Quirin? „In erster Linie will ich, dass der Artikel über mich entfernt wird“, stellt sie klar. Das könnte eventuell über eine einstweilige Verfügung erwirkt werden. „Wünschenswert wäre aber in weiterer Folge, dass diese Website gänzlich von der Bildfläche verschwindet.“ In Deutschland sei Metapedia als „gefährlich“ eingestuft und könne deswegen nicht aufgerufen werden. „Das Problem ist, dass es in Österreich keine Organisation gibt, die so etwas macht“, berichtet Quirin.

Mittlerweile hat Quirin den Anwalt der Bundes-SPÖ eingeschaltet: „Er hat jetzt alle Bilder und Daten bekommen. Wir werden versuchen, über das Urheberrecht der verwendeten Fotos und Texte zu erwirken, dass der Artikel gelöscht werden muss. Weiters können wir möglicherweise über die IP-Adresse die Identität der Autoren des fragwürdigen Artikels ausfindig machen.“