Waisenhaus für Vögel: Die EGS verleiht Flügel. Die Eulen- und Greifvogelstation (EGS) Haringsee ist „federführend“ bei Arterhaltungs- und Wiederansiedlungsprojekten. Für die NÖN gab es eine Spezialführung.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 03. Juni 2017 (04:40)
Havranek
Elisabeth Penz (Vier Pfoten), Hans Frey (wissenschaftlicher Leiter der EGS) und Brigitte Kopetzky (Vier Pfoten, v.l.).

Es zirpt, krächzt, kräht, schnattert und klappert aus allen Richtungen und wohin das Auge blickt flattert, stelzt, trippelt, wackelt oder hockt Federtier – so gestaltet sich der Ersteindruck beim Besuch in der von „Vier Pfoten“ geführten Eulen- und Greifvogelstation (EGS) Haringsee. Elisabeth Penz und Brigitte Kopetzky von „Vier Pfoten“ bereiten einen sehr netten Empfang und bald darauf stößt auch schon der wissenschaftliche Leiter Hans Frey dazu.

Sein schier unendliches Wissen über die Natur im Allgemeinen und Vögel im Speziellen wird nur von der Anzahl an Anekdoten, die er über die gefiederten Freunde zu berichten weiß, übertroffen: In 42 Jahren – so lange gibt es die EGS auf dem 12.000 m großen Areal bereits und insgesamt wurden seit damals über 10.000 Vögel ausgewildert – sammeln sich einige interessante Geschichten an.

Zwei große Schwerpunkte in der EGS

Da ist zum Beispiel das ältere Ehepaar, dessen Liebe zu Krähen so groß ist, dass es deren große Voliere reinigt. Oder die beiden Wiener, die einen Kolkraben, der vier Jahre „ihr Nachbar“ war, aber mit einem Federproblem eingefangen werden musste, regelmäßig besuchen. Aber auch traurige Episoden, wie jene über einen Seeadler, der auf die Jagd nach Hunden trainiert wurde, weiß man zu erzählen.

Prinzipiell gibt es zwei große Schwerpunkte in der EGS: An erster Stelle steht natürlich das Ziel, die vielen Vögel, die hierher gebracht werden, wieder so weit aufzupäppeln, dass sie in der freien Natur überleben können, also auszuwildern. In der EGS wurden bereits sechs Methoden erfolgreich entwickelt.

Die „Dauerpatienten“, also Vögel, die wegen Flugunfähigkeit oder anderen Gründen nicht ausgewildert werden können, werden wiederum als „Ammeneltern“ sinnvoll eingesetzt: Den Tieren wird ein Partner gesucht – was bei wählerischen Greifvögeln gar nicht so leicht ist – und, sobald das Paar für Nachwuchs sorgt (oder auch nur Eier ablegt) wird versucht, ihm einen Pflegling „unterzujubeln“, den es dann tiergerecht aufzieht. Das Schlimmste seien Tiere, die von Hand aufgezogen wurden: „Sie sehen Menschen als Artgenossen und attackieren sie im ,Revierkampf‘, wenn sie geschlechtsreif sind“, so Frey.

Die EGS ist „federführend“ bei Projekten für die Arterhaltung und Wiederansiedlung von Habichtkäuzen. Besonders stolz sind Frey und seine sechs Mitarbeiter auch, dass hier das Zuchtzentrum für Bartgeier mit 44 „Gründervögeln“ ist.