Agrarpolitik: Debatte um Billig-Ware. Bio-Bauern gehen mit Kammer-Präsident hart ins Gericht. Dieser sagt nichts.

Von Nina Wieneritsch. Erstellt am 08. April 2019 (04:06)
Geschäftsführender VP-Gemeinderat Herbert Bartosch (kleines Bild) ist verärgert: Er findet für seine Bio-Kartoffeln keine Abnehmer, weil der Handel auf Ware aus dem Ausland setzt.
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Geschäftsführender VP-Gemeinderat Herbert Bartosch ist von Beruf Bio-Landwirt. In seinem Lager türmen sich die Bio-Erdäpfel noch „tonnenweise“, wie er sagt. Nur haben wolle diese niemand.

„Die Großhändler kaufen lieber günstige Erdäpfel, die in der Wüste nur durch künstliche Beregnung wachsen“, ärgert sich Bartosch. Diese seien für den Lebensmittelhandel weit billiger zu haben als jene, die in der Region wachsen. Derzeit kursiert das Gerücht, es gebe keine heimischen Erdäpfel mehr. Der Bio-Landwirt, der nicht weiß, wohin mit seinen Kartoffeln, kann sich dazu nicht einmal ein müdes Lächeln abringen.

VP-Gemeinderat Herbert Bartosch
Gemeinde

Der Import von Gemüse ärgert auch Politiker auf anderen Ebenen. VP-Nationalrat Johannes Schmuckenschlager, Präsident der NÖ Landwirtschaftskammer, ärgerte sich über Spargel aus Peru und tat dies in einem Facebook-Beitrag kund.

Bei VP-Bartosch, dessen Lebenspartnerin Birgit Medlitsch ebenfalls Bio-Bäuerin ist, kam das nicht gut an. „Mehr fällt ihm dazu nicht ein? Das ist schon ziemlich schwach für einen Nationalrat, der auch Präsident der Landwirtschaftskammer NÖ ist“, schreibt sie öffentlich in ihrem Blog.

Sie fordert Schmuckenschlager zum Handeln in der „echten“ Welt auf: „Wenn es Ihnen nicht gefällt, dann ändern Sie es.“ Gespräche mit den Einkäufern des Lebensmittelhandels seien notwendig, „die dafür sorgen, dass heimische Bauern für Bio-Erdäpfel zumeist nur 20 Cent pro Kilo bekommen“.

Die NÖN fragt bei Schmuckenschlager nach – ohne Erfolg. „Wir lassen Facebook-Beiträge prinzipiell unkommentiert“, so ein Sprecher aus dessen Büro.