Mit Helikopter gegen Gelsenplage. Biologe spricht von „extremster Situation“, die er je erlebt hat. Gelsenregulierung-Verein legte umgehend mit Arbeit los.

Von Dagmar Faltner. Erstellt am 07. Juni 2019 (04:45)
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Kampf gegen die Gelsen: Mittels Hubschrauber verteilt der Verein zur Gelsenregulierung entlang Thaya und March den BTI-Wirkstoff auf den Brutgebieten. Der in diesem enthaltene Eiweißstoff sorgt dafür, dass Larven abgetötet werden.

Der denkbar schlimmste Fall ist eingetreten. Nach den Hochwässern in der 21. Kalenderwoche gingen die Wasserstände der Donau zu langsam zurück. Entlang der March entstanden dabei laufend neue Gelsenbrutstätten, weil die Auwälder von Rabensburg bis zur Mündung der March in die Donau gleichzeitig geflutet waren. Das Wasser hielt sich durch den Einfluss der Donau und durch unaufhörliche Regenfälle.

Dem Verein zur Biologischen Gelsenregulierung entlang Thaya und March war deshalb schnell klar, dass es größter Anstrengung von allen Beteiligten bedarf, um der Situation entlang der beinahe 80 Flusskilometer halbwegs Herr werden zu können. Diplombiologe Hans Jerrentrup stufte die Lage als „extremste Situation ein, seit ich hier an dem Projekt arbeite“ – und das ist immerhin schon seit dem Jahr 2011.

"Sonst wäre der Sommer nicht auszuhalten"

Der Vorsitzende des „Gelsenvereins“, Hohenaus SP-Bürgermeister Wolfgang Gaida, ließ deshalb nicht lange mit Maßnahmen auf sich warten, sprach sich mit den vereinsangehörigen Gemeinden ab und man legte umgehend los.

Am 28. Mai stieg der Helikopter erstmals in den Gemeinden Engelhartstetten, Marchegg und Hohenau auf, um den biologischen Wirkstoff BTI aus der Luft zu verteilen. Da und dort waren die „Gelsenwehren“ zu Fuß mit Rückenspritzen schon Ende März und Anfang April in den Auwäldern unterwegs. Für diese Maßnahme waren die Flächen jetzt aber viel zu groß.

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Hochwasser führte dazu, dass sich die Gelsen rasant vermehren.

Schon am Tag darauf erfolgte die Nachkontrolle und man war erleichtert, dass schon die ersten Maßnahmen Wirkung zeigten. Das war jedoch nur die halbe Miete, denn es bildeten sich wieder neue Brutstätten – auch in anderen Gemeinden.

Ende vergangener Woche erfolgten deshalb umgehend weitere Einsätze mit dem Helikopter. „Ansonsten wäre der Sommer nicht auszuhalten“, erklären die Vereinsmitglieder. Weitere Regulierungsmaßnahmen wurden erneut in Hohenau und zudem in den Gemeinden Ringelsdorf, Drösing, Jedenspeigen, Dürnkrut und Angern gesetzt. Die Verantwortlichen hoffen nun, dass Petrus irgendwann das Wasser für weitere Niederschläge ausgeht und sich die Lage beruhigt.