Tourismus soll künftig Wirtschaft ankurbeln. Mit erfolgreichen Gelsenregulierungs-Maßnahmen in den Auen wurde die Basis für touristische Projekte geschaffen.

Von Nina Wieneritsch. Erstellt am 11. Oktober 2014 (08:00)
NOEN, Wieneritsch
SP-Bürgermeister Robert Freitag, Projektleiter für die Gelsenregulierung.

Hohenau ist Abwanderungsgebiet: Die meisten jungen Leute bleiben nicht, ziehen aufgrund fehlender Arbeitsplätze und mangelnder Lebensqualität in die Ballungsräume. Den Grund für Letzteres sieht SP-Bürgermeister Robert Freitag in der massiven Gelsenbelastung entlang der March-Thaya-Auen, der aber in den letzten Jahren durch den Verein zur biologischen Gelsenregulierung – einem in Österreich bislang einzigartigen Projekt, in das aktuell neun Gemeinden entlang der Thaya und March involviert sind (siehe Info unten) – Einhalt geboten werden konnte.

„Das Projekt läuft gut, allerdings gibt es vor allem in der Bevölkerung noch einiges zu verbessern“, so Freitag. So habe man das Gelsen-Problem in den Auen bereits gut im Griff, für die Bekämpfung der Hausgelsen, die in menschlichen Siedlungen überwintern, müsse aber die Bevölkerung aktiv werden. Man biete dazu auch regelmäßig Informationsveranstaltungen an.

Die Probleme, die in der Region durch Gelsen verursacht werden, würden dabei weit tiefer gehen, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Zum einen würde, so Freitag, die schon zuvor erwähnte Lebensqualität vor allem in gelsenreichen Saisons gegen null sinken. Damit einher gingen wirtschaftliche Probleme für Gastronomiebetriebe. Die Gelsen würden im Sommer das abendliche Sitzen und Essen im Freien unmöglich machen.

„Ansätze werden zunichte gemacht"

„Gute Ansätze werden durch die Gelsen oft zunichte gemacht“, so Freitag. „Das Problem muss in den Griff bekommen werden, um die Lebensqualität in der Region zu erhöhen und weiterführende Projekte zu starten.“

Vor allem sanfter Tourismus soll die Wirtschaft künftig beleben. Da sich große Betriebe, die viele Arbeitsplätze bringen würden, nicht mehr in der Region ansiedeln, müsse man auf ein anderes Pferd setzen. Gute Voraussetzungen für sanften Tourismus wären mit der weitläufigen Natur der Auen jedenfalls gegeben.

"Können sanften Tourismus etablieren"

Derzeit laufe auch ein Genehmigungsverfahren, um den Kamp-Thaya-March-Radweg auf der schon vorhandenen Strecke entlang des Hochwasserdamms weiterzuführen. Diese würde dann von Poysdorf kommend entlang der March bis zur Radbrücke nach Schloss Hof und weiter nach Bratislava führen. Weil sämtliche Gemeinden des Bezirks, die an der March liegen, ebenfalls Gelsen bekämpfen, sind diese hier keine Beeinträchtigung mehr.

Man wolle das Problem also von der Basis lösen. „Ist die Überpopulation an Gelsen eingedämmt, können hier Pensionen, Hotels und andere Betriebe eröffnen und kann sanfter Tourismus etabliert werden“, so Freitag. Umgekehrt würde dies wohl kaum funktionieren, zu unattraktiv sei das Gelsen-Problem für Betriebe. Freitag: „Umso wichtiger ist, dass sich auch die Bevölkerung dessen annimmt.“


Gelsenregulierung

  • Der Verein "Biologische Gelsenregulierung entlang Thaya und March" wurde 2012 - nach umfangreichen Vorarbeiten, die bis 2006 zurückreichen - gegründet.

  • Er besteht heute aus neun Gemeinden: Rabensburg (Bezirk Mistelbach), Hohenau, Ringelsdorf-Niederabsdorf, Drösing, Jedenspeigen, Dürnkrut, Angern, Marchegg und Engelhartstetten.

  • Zur biologischen Regulierung wird der Wirkstoff BTI verwendet, der mittels Rückenspritze, oder bei größeren Flächen per Hubschrauber, verteilt wird.

  • Die Arbeitskräfte werden von den Gemeinden selbst organisiert - in Hohenau arbeiten Freiwillige und Gemeindemitarbeiter an der Regulierung. Ein Biologe steht allen Gemeinden zur Seite.