Van der Vyver kehrt Blauen den Rücken. Schon länger war etwas im Busch, nun ist klar: Ex-Freiheitlicher ist jetzt freier Gemeinderat.

Von Nina Wieneritsch. Erstellt am 04. November 2016 (04:00)
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Christian Van der Vyver kehrte der FPÖ den Rücken und ist jetzt freier Gemeinderat.
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Einen politischen Wandel von Blau zu farblos machte jüngst Gemeinderat Christian Van der Vyver, vormals FPÖ, jetzt ohne Fraktion, durch (NÖN berichtete). Wobei – ein leichter blauer Schimmer ist an ihm dann doch haften geblieben, wie er im NÖN-Gespräch erzählt: „Ich ziehe weiterhin die freiheitliche Linie durch.“ Nachsatz: „Aber nicht mit den Richtlinien von Wlas.“

Ebendieser – Hohenaus FP-Obmann und stellvertretender FP-Bezirkschef Hannes Wlas – sei ihm zu machthungrig, zu bestimmend, eine Zusammenarbeit gestalte sich unmöglich. „Ich bin ein selbstständig denkender Mensch, der entscheiden will“, erklärt der Parteilose den Beweggrund, warum er der blauen Fraktion den Rücken kehrte.

Hannes Wlas (FP): „Nun den Prüfungsausschuss-Vorsitzenden mit einer Aufsichtsbeschwerde belangen zu wollen, setzt dem Fass die Krone auf.“
FPÖ

Der Angegriffene gibt sich unbeeindruckt: „Für mich hält sich der Verlust in Grenzen. Für weitere Auskünfte steht FP-Bezirkschef Herbert Steindl zur Verfügung“, so Wlas, der sich das Folgende dann doch nicht verkneifen kann: „Van der Vyver ist von den freiheitlichen Wählern gewählt worden“ – das müsse er halt verantworten können. Und – wenn er schon weiterhin die FPÖ-Schiene fahren will – hätte er ja auch bei der jüngsten Gemeinderatssitzung für die blauen Initiativ-Anträge stimmen können (zwei von drei waren von den anderen Fraktionen abgelehnt worden, wie berichtet).

Van der Vyver: „Ich entscheide großteils mit der FPÖ mit. Das Fischen im Au-Bad betreffend habe ich abgelehnt, weil es in Hohenau so viele Möglichkeiten für Fischer gibt. Der Badeteich müsste erst umgewidmet werden.“

Auch gegen den Antrag zur Asphaltierung der Zufahrtsstraße auf dem Kellerberg hatte Van der Vyver gestimmt, „weil sonst alle anderen Heurigen-Betreiber im Ort fragen, warum ihre Zufahrtsstraße nicht asphaltiert wird“.

„Anstrengend, aber gleichzeitig befreiend“

Und wie fühlt sich Van der Vyver nun als einziger fraktionsloser Gemeinderat im Ortsparlament? „Es ist anstrengend, weil man von den anderen unterschätzt wird, aber gleichzeitig auch befreiend, weil man seine eigenen Entscheidungen treffen kann“, subsumiert der Ex-Blaue seine Eindrücke.

Ein nochmaliger politischer Farbwechsel von nunmehr farblos zu Rot – wie früher kursierende Gerüchte glauben machen wollten – stehe übrigens nicht zur Debatte.

Bleibt nur noch offen, was der bereits erwähnte Bezirkschef der Freiheitlichen, Herbert Steindl, zum Mandatsverlust in der Nordbahn-Gemeinde sagt. Steindl: „Ich werde keinem ehemaligen Mitglied etwas Schlechtes mit auf den Weg geben, aber der Mandatsverlust ist nicht so tragisch.“ Auch deshalb, weil im Bezirk laut Steindl etliche Gemeinderäte zu den Blauen wechseln wollen. Wie viele genau? „Die Fünf könnten wir knacken“, so Steindl.