Laute Autobusse regen Bürger auf. Anrainer in Hohenruppersdorf fühlen sich durch Licht und Lärm der Fahrzeuge belästigt. Nun soll ein Gesprächstermin stattfinden.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 02. Mai 2021 (03:53)
Die Anrainer fühlen sich durch Lärm- und Lichtverschmutzungen, die vom Busparkplatz kommen, belästigt.
Mauritsch, Mauritsch

Lärm- und Lichtbelästigungen mitten in der Nacht und früh am Morgen bringen die Anrainer auf die Barrikaden. Seit Inkrafttreten des neuen VOR-Fahrplans bedient die Herbert Gschwindl Urlaub- u. Reisen GesmbH Strecken im östlichen Weinviertel und hat dafür am ehemaligen Bahnhofsgelände einen Stützpunkt eingerichtet. Das Problem: Einfamilienhäuser in unmittelbarer Nähe. Gespräche brachten bislang keinen Erfolg.

Seit Jahrzehnten ist die Bahnlinie Sulz-Bad Pirawarth eingestellt, der Bahnhof steht längst nicht mehr. Die Bahnstraße ist entgegen ihrem Namen eine beschauliche Nebenstraße, die bislang lediglich als Zufahrt der Anrainer diente. Seit Ende März herrscht dort allerdings früh morgens und spät nachts hektische Betriebsamkeit. „Jetzt donnern die Busse durch“, empört sich eine Anrainerin.

„Wir hatten keine Vorabinformation und wurden nicht gefragt.“ Hermann Gindl, ÖVP-Bürgermeister

Auf dem asphaltierten Platz neben den Geleisen parken im Schnitt an die 15 Busse. „Schon um halb 5 Uhr Früh geht es los. Die Busse starten und stehen rund 15 Minuten mit laufendem Motor“, berichtet die Anrainergruppe, die ungenannt bleiben möchte. Gestank und Lärm würden die Wohnsiedlung erfüllen. „Wir werden trotz geschlossenem Fenster aus dem Schlaf gerissen“, ergänzt eine andere Anrainerin. Wenn gegen 23 Uhr die Busse zurückkommen, wird zuerst die Tankstelle gegenüber den Geleisen angefahren. „Die stehen da mit voll aufgedrehten Schweinwerfern und leuchten die Häuser taghell aus“, so die Anrainer weiter.

Warnsignal stört Menschen besonders

Hauptkritikpunkt ist das Geräusch des akustischen Warnsignals bei Rückwärtsfahren. „Die Busse parken alle rückwärts ein, das Gedudle ist ohrenbetäubend laut und das geht so lange, bis die alle richtig stehen“, so die Anrainer. Nur rund 13 Meter ist die Fläche breit, die Busse stehen links und rechts am Rand und damit direkt an der Grundstücksgrenze des nächstgelegenen Einfamilienhauses. Die Zufahrt ist ein kleines Gässchen. Dass sich die Fahrer in der Natur erleichtern, weil es keine Toiletten gibt, macht die Sache auch nicht besser.

Die NÖN wollte von Bezirkshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Merkatz wissen, wie sich das arbeitsrechtlich verhält, wenn Mitarbeitern keine Sanitär- bzw. Pausenräume angeboten werden. Müssen Busfahrer ihre Stehzeiten sitzend im Bus verbringen? „Die BH ist nicht zuständig, ich habe die Frage an das Arbeitsinspektorat Wien Nord weitergeleitet. Dort wird man prüfen, welche Ausstattung in diesem Fall notwendig ist und ob die Vorgaben eingehalten werden“, so Merkatz. Gschwindl-Pressesprecher Sarin Baghdoyan dazu: „In Poysdorf laufen bereits Vorarbeiten für einen neuen Stützpunkt.“

Information vorab gab es keine. „Man hat uns das einfach vor die Nase gesetzt“, empört sich eine Anrainerin. Auf Rückfrage der NÖN gibt Baghdoyan bekannt: „Der Abstellplatz wurde seitens VOR und der Gemeinde zur Kenntnis genommen.“

Dem widerspricht ÖVP-Bürgermeister Hermann Gindl: „Wir hatten keine Vorabinformation und uns hat niemand gefragt.“ Nutznießen aus Kommunalsteuern hat die Gemeinde ebenfalls nicht, das Gelände ist kein Betriebsstandort. Laut Baghdoyan nimmt man die Anliegen der Anrainer ernst: „Wir stehen in direktem Kontakt und erarbeiten Lösungen.“ Die Anrainer sehen das anders. Auf telefonische Anfragen habe man lediglich die Antwort erhalten, man sei im Recht. Immerhin möchte man seitens Gschwindl die Kontrollen verstärken und für die nächste Zeit Komposttoiletten anbieten.

Gindl hat von sich aus Kontakt mit Herbert Gschwindl aufgenommen. Er habe einen Gesprächstermin zugesagt. Um die rechtliche Situation zu klären, stellte die Gemeinde eine Anfrage an Raumplaner Michael Fleischmann. Dieser bestätigt: „Der Flächenwidmungsplan weist die Kennzeichnung ,Bahn’ aus.“

Das Areal stehe im Eigentum des Unternehmens und es sei davon auszugehen, dass es sich um eine private Verkehrsfläche handelt. Eine widmungswidrige Nutzung wäre nicht gegeben. Fleischmann schlägt unter anderem eine Einzäunung vor. Damit wäre das Grundstück nicht zugänglich und das akustische Warnsignal könnte abgestellt werden. Gindl wird den Anrainern die Stellungnahme des Raumplaners umgehend zur Kenntnis bringen. Die Anrainer sind verunsichert und fühlen sich in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Dazu kommt: „Das ist keine belebte Linie, die Busse sind leer“, meint ein Anrainer. Übrigens: Eine Initiative der Gemeinde, mit Elektroautos und ehrenamtlichen Helfern die Einwohner zum Arzt oder zur Apotheke zu transportieren, wurde abgeschmettert. „Dafür fahren jetzt leere Dieselbusse durch die Gegend“, schließt der Anrainer.