Tierlärm in Spannberg: „Haben Schnauze voll“ . Vierbeiner bellen, jaulen und raufen. Kotgeruch liegt in der Luft. Halter kann von niemandem erreicht werden.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 08. Juli 2020 (05:12)
VP-Gemeinderat Christian Seidl-berger ist einer der betroffenen Nachbarn der exzessiven Tierhaltung. Hinter diesem Zaun leben die Hunde.
Mauritsch

Tierliebe oder illegale Zucht? Jedenfalls bringt die exzessive Hundehaltung die Anrainer schon seit Monaten auf die Palme. VP-Gemeinderat Christian Seidlberger geht jetzt in die Offensive. „Es reicht. Sämtliche Gesprächsversuche blieben ergebnislos. Es muss nun etwas geschehen.“

Die Anzahl variiert, es sollen rund 15 Hunde verschiedenen Alters auf dem nicht allzu großen benachbarten Grundstück leben. Ihren Lebensraum teilen sie auch noch mit einer Schar Hühner. „Die Hunde bellen, jaulen und raufen fast rund um die Uhr. An eine Nachtruhe ist nicht zu denken“, so Seidlberger, der als Anrainer direkt betroffen ist.

„Dazu kommt der Gestank von Kot und Urin. Speziell in den heißen Sommermonaten ist es arg. Man kann kaum das Fenster zum Lüften öffnen.“ Christian Seidlberger

Weggeräumt werde nicht, getrockneter Kot wirble als Staub durch die Gegend. Äußerln gehe mit den Hunden anscheinend niemand.

Seidlberger ist nicht allein in seinem Frust. Die Anrainer Franz Kaufmann und Stefan Kratschmann leiden mit ihren Familien ebenso: „Meine Frau hat COPD. Frische Luft täte ihr gut. Wir wohnen am Land und trotzdem kann man das Fenster nicht öffnen, vom Aufenthalt im Garten gar nicht zu reden“, empört sich Kratschmann. Als „Fäkalarena“ bezeichnet Kaufmann die Situation.

Dazu kommt ein schwerwiegender Verdacht: „Eine Hündin hatte in sechs Monaten zwei Würfe. Zeitweise kommen Leute, die sich Tiere anschauen“, haben die Anrainer die Vermutung, er könnte sich um eine illegale Zucht handeln. Alle betonen, grundsätzlich nichts gegen Hunde zu haben und dass ihnen die Tiere leidtäten. Kaufmann wird deutlich: „Die Hunde sind in einem desolaten Nebengebäude untergebracht. Mit Tierschutz hat das nichts zu tun.“

Bretterzaun hält die Vierbeiner nicht auf

Der einfache Holzbretterzaun hält die Vierbeiner nicht auf. „Sie graben sich unten durch. Im Juni sind dann rund zwölf Hunde unbeaufsichtigt auf der Straße herumgelaufen“, berichtet Kratschmann. Eine Spaziergängerin habe sich so erschreckt, dass sie gestürzt sei.

Die NÖN fragte bei der Bezirkshauptmannschaft und VP-Bürgermeister Herbert Stipanitz nach. „Die Amtstierärztin wird zeitnah Nachschau halten. Sollte sich der Verdacht auf Tierquälerei, nicht artgerechte Haltung oder illegale Zucht bestätigen, werden wir natürlich eingreifen“, so BH-Stellvertreter Wolfgang Merkatz.

Dem Ortschef platzt mittlerweile der Kragen: „Schon im Frühjahr gab es eine Nachschau mit dem Gebietsbauamt, weil ein alter Ofen ohne Rauchabzug benützt wurde. Da wurde festgehalten, dass die Anzahl der Hunde zu reduzieren ist.“ Genützt hat es nichts. Kontaktaufnahmen mit den Mietern des Hauses gehen ins Leere. Die schon mehrmals alarmierte Polizei hat dasselbe Problem – niemand ist da oder es wird nicht geöffnet.

Jetzt wird Strafanzeige bei der Bezirkshauptmannschaft erstattet. „Es muss nun eine Lösung geben“, zeigt sich Stipanitz kämpferisch, um in Richtung Gesetzgeber anzumerken, dass er sich als Sanitäts- und Baubehörde mehr Handhabe wünschen würde.

Recherchen durch die NÖN ergaben, dass an der Adresse ein Verein betrieben wird, der sich „D.E.E.P. Die Engel Einsamer Pfoten“ nennt. Als Obmann ist Richard Kubisch eingetragen, als Kassier Ricardo Kubisch – dieselbe Person? Die Funktionsperiode beider ist mit 30. April 2020 abgelaufen. Weiters gibt es eine Facebook-Seite. Vereinszweck sind Kastrationsprojekte und die Vermittlung von Tieren in Not.

Der Verein konnte unter der angegebenen Telefonnummer nicht erreicht werden. Eine E-Mail blieb ohne Antwort. Eine Umfrage der NÖN bei Tierärzten und anderen Tierschutzvereinen ergab: Niemand kennt so einen Verein. Die Klärung wird jetzt wohl bei den Behörden liegen.