Das war das Jahr 2020 im Bezirk Gänserndorf. Diese Ereignisse bewegten die Menschen im Bezirk Gänserndorf im Jahr 2020:

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 28. Dezember 2020 (05:00)
Mannsdorf: Eine rumänische Erntehelferin, unterstützt von der Gewerkschaft, prangert die Wohn- und Arbeitsbedingungen im landwirtschaftlichen Betrieb Sulzmann an. So soll es Schimmel an den Wänden, Ungeziefer im Bett, ein Schlafzimmer für elf Personen und Stundenlöhne von lediglich vier Euro bei Arbeitstagen, die bis zu 14 Stunden dauerten, geben. Verschiedene Behörden ermitteln, finden aber nichts Verwerfliches. Die Gewerkschaft will vor Gericht gegen den Betrieb vorgehen. Im Bild: Eines der Erntehelfer-Quartiere der Firma Sulzmann.
Schindler

Schon wieder ein Einbruch in Engelhartstetten. Erneut kommt es zu einem Einbruch in einen Betrieb im Engelhartstettener Gewerbegebiet: Diesmal dringen der oder die Täter in die Hallen der Firma Ebm ein und entwenden dort Motorsägen sowie Rasenmäher-Roboter. Ein Schaden von insgesamt 15.000 Euro ist entstanden. Erst kurz davor gab es in der Nähe einen Einbruch bei der Firma Redo – der betroffene Schrotthändler nahm die Verfolgung auf, konnte die Täter vertreiben und das Diebesgut sicherstellen (die NÖN berichtete).

Mann tankt und gibt Gas – von Polizei geschnappt. An einem Freitag fährt ein ungarischer Staatsbürger zur Leopoldsdorfer „Turmöl“-Tankstelle, um seinen Pkw mit Diesel zu betanken. Nach der Tankfüllung aber ergreift der Lenker die Flucht in Richtung Lassee – ohne für den Sprit bezahlt zu haben. Der diensthabende Tankwart verständigt ohne zu zögern die Polizeidienstelle Leopoldsdorf. In Lassee klicken schließlich beim 42-jährigen Ungarn die Handschellen.

Gatte tobt bei Ehestreit: Vier Polizisten verletzt. Dramatische Szenen spielen sich an einem Freitag in Gänserndorf-Süd ab: Aufgrund eines Ehestreits gerät der Gatte derart in Rage, dass die Polizei einschreiten muss. Als die Beamten am Einsatzort eintreffen, um den Streit zu schlichten, werden sie selbst zum Feindbild des tobenden Mannes. Dieser greift die Polizisten an und verletzt dabei vier Personen. Der Täter wird schließlich von der Polizei festgenommen.

Fix: VP-Veit wird neuer Ortschef in Ebenthal. Die Gemeinderatswahl hat der ÖVP nicht nur einen Zugewinn von vier Mandaten beschert, sondern der Kommune auch einen neuen Bürgermeister. Der bisherige Vize Christoph Veit erhält mit der stolzen Anzahl von 300 die meisten Vorzugsstimmen und ist somit Erstgereihter. Ihm folgt auf Platz zwei Martha Epp. Der bisherige Ortschef Raimund Kolm liegt an dritter Stelle.

Marchfelder Bauern bangen um ihre Existenz. Eigentlich sollte ja in Kürze die Spargelsaison beginnen, das Coronavirus macht aber auch vor der Landwirtschaft nicht Halt: Das Gemüse gedeiht zwar prächtig, es fehlen jedoch die Arbeiter, um die Früchte einzufahren. Viele der Saisonarbeiter stammen aus dem Osten Europas und können, weil die Grenzen dicht sind, nicht einreisen.

Mann bewirft Witzelsdorfer FF mit Ziegeln. Die Witzelsdorfer Feuerwehrkameraden werden zu einem Flurbrand zwischen Eckartsau und Witzelsdorf alarmiert. Ein Anrainer attackiert die Feuerwehr mit Dachziegeln, mit einem seiner Wurfgeschosse trifft er sogar ins Auto der Florianis. Zu Schaden kommt glücklicherweise niemand. Beim Eintreffen der FF wird der Brandherd schnell ausgemacht. Büsche stehen in Flammen, es gibt starken Rauch, Gestank und das Feuer droht, sich weiter auszubreiten. „Er begann, uns wüst zu beschimpfen, und nahm schließlich von einem Haufen Dachziegel, die er zerbrach, um sie auf die Feuerwehrmänner zu werfen“, erinnert sich Einsatzleiter Christian Schreiner entsetzt.

In weiterer Folge attackiert der Mann das Feuerwehrauto und weitere Kameraden mit den Steinen. Die Polizei wird umgehend verständigt und nimmt auch die Daten des Angreifers auf, währenddessen kann die FF den Brand bekämpfen. „Es kann nicht sein, dass man sich als Freiwilliger, der jemandem helfen will, in so eine Gefahr begeben muss“, mahnt Schreiner Vernunft ein und verurteilt das Verhalten des tobenden Mannes zutiefst.

75 Jahre Kriegsende: Die Zeitzeugen des Schreckens. Heuer jährte sich zum 75. Mal das Ende des Zweiten Weltkriegs: Am 8. Mai 1945 erfolgte die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Die NÖN spricht mit Zeitzeugen aus dem Bezirk, die sich an diese Tage zurückerinnern. „Eine schreckliche Zeit war das“, erzählt der rüstige Pensionist Rudolf Reuckl aus Markthof im NÖN-Gespräch: „Ich war damals 13 Jahre alt und natürlich hatten wir große Angst vor den Russen.“ Die war nicht unbegründet, der Roten Armee eilte ein schlechter Ruf voraus, von Vergewaltigungen und Plünderungen war zu hören. Das ging so weit, dass in einer benachbarten Ortschaft eine ganze Familie samt kleiner Kinder „in die Donau ging“ und sich ertränkte, um nicht Opfer der als brutal verschrienen Soldaten zu werden. Angst hatte auch die mittlerweile 101-jährige Zistersdorferin Maria Habel: „Keine Nacht verbrachten wir durchgehend an einem Ort. Niemand wusste, wie es weitergehen sollte.“ Das Leben verlief zu dieser Zeit in den Kellern und die Frauen flohen von einem zum Nächsten.

Matzner tobt: „Luft ist völlig verpestet!“ Einem NÖN-Leser (Name der Redaktion bekannt) stinkt die Beeinträchtigung durch Abgase aus dem Hausbrand gewaltig. Lüften sei fast nicht möglich, über dem Ort hänge speziell in der Heizperiode eine dunkle Nebelsuppe. Er habe sich sogar ein Messgerät angeschafft und damit sowohl beim Feinstaub als auch bei Kohlendioxid und Schwefeldioxid Werte abgelesen, die ein Vielfaches über den in Österreich vorgegebenen Grenzwerten liegen. Versuche, bei offiziellen Stellen eine Änderung herbeizuführen, bleiben ohne Erfolg. Er kontaktiert den Rauchfangkehrermeister, die Gemeinde, die Grünen und das Umweltministerium. „Antwort habe ich keine einzige bekommen“, macht er seinem Ärger Luft.

Baumarkt bekommt Drive-in. In Deutschland gibt es ihn schon: Den Drive-in beim OBI-Baumarkt. Das Konzept ist mittlerweile auch im Bezirk angekommen – und zwar bei der Filiale in Gänserndorf.

Hier, am ehemaligen ÖAMTC-Gelände, wurde der Drive-in des OBI-Marktes errichtet.
Mattes

Tierlärm in Spannberg. Tierliebe oder illegale Zucht? Exzessive Hundehaltung bringt die Anrainer schon seit Monaten auf die Palme. VP-Gemeinderat Christian Seidlberger geht in die Offensive. „Es reicht. Sämtliche Gesprächsversuche blieben ergebnislos. Es muss nun etwas geschehen.“ Die NÖN fragt bei der Bezirkshauptmannschaft und VP-Bürgermeister Herbert Stipanitz nach. „Sollte sich der Verdacht auf Tierquälerei, nicht artgerechte Haltung oder illegale Zucht bestätigen, werden wir natürlich eingreifen“, so BH-Stellvertreter Wolfgang Merkatz. Dem Ortschef platzt zwischenzeitlich der Kragen: „Schon im Frühjahr gab es eine Nachschau mit dem Gebietsbauamt, weil ein alter Ofen ohne Rauchabzug benützt wurde. Da wurde festgehalten, dass die Anzahl der Hunde zu reduzieren ist.“ Genützt hat es nichts. Kontaktaufnahmen mit den Mietern des Hauses gehen ins Leere. Die Polizei hat dasselbe Problem – niemand ist da oder es wird nicht geöffnet. Es wird Strafanzeige erstattet.

Gym-Umbau geht endlich los. Die Generalsanierung und Erweiterung des Konrad Lorenz Gymnasiums (KLG) in Gänserndorf läuft nun richtig an: Nachdem jetzt auch alle nötigen Unterschriften des Ministeriums vorhanden sind, werden Teile der alten Klassentrakte abgerissen. Voraussichtlich im Frühjahr 2022 sollen die Umbauarbeiten abgeschlossen sein.

Aus für das „Sweet Hell“. Der etwas andere „höllische“ Eissalon, der Sorten wie „Kaiserschmarren“, „Punschkrapfen“ und „Apfelstrudel“ anbot, schließt in Gänserndorf und Strasshof seine Pforten. Rückblick: 2017 eröffneten Andreas und Judith Bachofen-Echt eine Filiale in der Gänserndorfer Hauptstraße, 2018 eine Zweigstelle in Strasshof. Beide werden wieder geschlossen. Schon vor der Coronakrise lief das Geschäft schleppend. Das Virus dürfte der Firma den Rest gegeben haben.

Angriff auf altes Denkmal in Niederabsdorf. Das Gebiet rund um den ehemaligen Flugbeobachtungsbunker wird mehrfach Opfer von Vandalen. Eine Glaskuppel wird zerstört, dann gibt es einen Einbruch und dann werden auf der Tür zum Wasserhochbehälter zwei Einschusslöcher gefunden.

Lukas Bock vom Kulturverein Niederabsdorf ist verständlicherweise enttäuscht, denn der Kulturverein investiert laufend Arbeit in die Pflege- und Reinigung des Bauwerks. „Für den Ort ist der Bunker ein historisches Ausflugsziel“, erzählt Bock. Die Schäden werden schließlich von regionalen Firmen repariert.

Neues Gänserndorfer Lokal soll bis 2022 eröffnen. Die Vorbereitungen für das Projekt „Landgasthaus-Hansy-Neu“ laufen an. VP-Bürgermeister René Lobner sichtet bereits erste Pläne: „Der Gastronomie-Bereich soll bis zur NÖ Landesausstellung 2022 im Marchfeld fertig sein.“ Das Standesamt wiederum soll schon 2021 vom dritten Stock des Rathauses in den ersten Stock des Gasthauses übersiedeln. Einen barrierefreien Zugang mit Aufzug wird es natürlich geben.

Wie die NÖN berichtete, kaufte der Bauträger „AC Wohnen“ die Immobilie mit dem zuletzt geschlossenen Restaurant. Geschäftsführer Reinhard Pacejka erklärte: „Wir werden das Gebäude generalsanieren, auch der Schanigarten bleibt erhalten. Die alten Garagen dahinter werden geschleift und auf diesem Areal wollen wir etwa 15 neue Wohnungen errichten.“

Dazu kommen die bestehenden zwei Wohnungen im ersten Stock sowie die beiden Büros auf der linken Seite des Hauses. Mit der Zeichnung der Einreichpläne wurde bereits begonnen: „Wenn wir im Herbst die Baugenehmigung bekommen, könnten wir Anfang 2021 mit den Arbeiten beginnen.“ Nach eineinhalb Jahren Bauzeit soll die Anlage bezugsfertig sein. Bis zu 5 Millionen Euro (inkl. geleistetem Kaufpreis) wird das Projekt in der Bezirkshauptstadt schließlich kosten.

Merkur auch in Gänserndorf: Bau startet 2021. In Deutsch-Wagram und Groß-Enzersdorf gibt es ihn schon länger, in Strasshof wird derzeit einer gebaut. Jetzt steht fest, dass auch die Bezirkshauptstadt einen Merkur-Markt bekommt – und zwar in der Bodenzeile östlich der L9. Dass nun auch in Gänserndorf das größtmögliche Geschäftslokal des Rewe-Konzerns – zu dem auch Billa, Penny-Markt und Bipa gehören – aus dem Boden gestampft wird, dürfte einen firmenstrategischen Grund haben: Der jetzige Eurospar soll bekanntlich zu einem noch größeren Interspar umgebaut werden. Letzterer ist der Hauptkonkurrent des Merkur-Marktes und Rewe will dem Spar-Konzern das Kundenfeld nicht kampflos überlassen.

Bauprojekt in Gänserndorf: Inhalatorium statt Wasserwerk. Die Bezirkshauptstadt bekommt eine Gradieranlage. Sie soll bei Atemwegserkrankungen helfen. Schon vor Jahren machte sich Ilse Helm, Obfrau des Gänserndorfer Kneipp-Aktiv-Clubs, für die Errichtung eines sogenannten Sole-Inhalatoriums, auch Gradieranlage genannt, stark (die NÖN berichtete). Jetzt wird ihr Wunsch erhört: Der Gemeinderat beschließt eine entsprechende Machbarkeitsstudie.

VP-Bürgermeister René Lobner erklärt: „Wir wollen das Inhalatorium dort errichten, wo sich das ehemalige Wasserwerk befindet – hinter dem Rathaus.“ Das habe Charme, so der Stadtchef: Statt Süßwasser werde es dort künftig Salzwasser und salzige Luft für angeschlagene Bronchien geben. Der Standort sei auch deshalb ideal, weil er sich mitten im Stadtzentrum befindet.

Wechsel im Pflegeheim: Chefin Streicher ist weg. Ursula Streicher, sie war sieben Jahre lang Direktorin des NÖ Pflege- und Betreuungszentrums Gänserndorf, verlässt das Haus. Sie soll angeblich zur LGA (Landesgesundheitsagentur) wechseln, der seit 1. Juli dieses Jahres alle Pflegeheime in NÖ unterstellt sind – zuvor war dies das Amt der NÖ Landesregierung. Zum interimistischen Leiter wird der bisherige Vize Norbert Baran bestellt.

Agrana Zuckerfabrik in Leopoldsdorf bleibt. Der Aufsichtsrat der Agrana beschließt wie erwartet, dass die Zuckerfabrik mit rund 150 Mitarbeitern zumindest bis nächstes Jahr in Betrieb bleibt. Das sei aufgrund der für den Anbau 2021 mit den Bauern kontrahierten Zuckerrübenfläche in Österreich von rund 38.200 Hektar wirtschaftlich sinnvoll, erklärt Agrana-Chef Johann Marihart.

Schnellstraße S8: „Mit ein bisschen Willen geht beides“. „Der Triel ist zum unbeliebtesten Vogel geworden, obwohl ihn noch kaum jemand gesehen hat“, sagt Gänserndorfs VP-Bürgermeister René Lobner über jenen Vogel, der droht, die Marchfeld-Schnellstraße S8 zu verhindern. Nachdem das Bundesverwaltungsgericht das Verfahren schließt, meinen Experten in einer Diskussionsrunde: Die Marchfeld-Schnellstraße kann gebaut werden und gleichzeitig kann für den vom Aussterben bedrohten Triel neuer Lebensraum geschaffen werden. Warum die Straße so wichtig für die Region sei und warum es von Vorteil ist, dass der Triel gut „gelenkt“ werden kann, das besprachen Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko, Asfinag-Geschäftsführer Alexander Walcher, Landschaftsökologe Thomas Knoll und Rainer Raab, ein international anerkannter Triel-Experte. Moderiert wird die Diskussion, die via Zoom auf YouTube stattfindet, von Gänserndorfs Bürgermeister Lobner.

Rassismus am örtlichen Mistplatz? Aufregung herrscht in Obersiebenbrunn, weil Vertreter der GO7-Partei einen Skandal am Sperrmüllsammelplatz orten: Der Vater des GO7-Gemeinderates Antonius Ebeid soll von Mitarbeitern dort mit den Worten „Geh heim, schleich dich!“ rassistisch angepöbelt worden sein. „Ich finde, dass es hier vonseiten der Gemeinde eine Entschuldigung zu geben hat“, ärgert sich Ebeid. SP-Bürgermeister Herbert Porsch wehrt sich: „Dies stellen wir entschieden in Abrede. Am 7. November fand nach den Covid-Verordnungen eine Sperrmüllsammlung statt. Als LOS-Gemeinderat Werner Slavik zu Fuß den Sperrmüllplatz betrat, ohne Maske, hielt sich auch der Vater des Gemeinderates nicht an die Richtlinien. Beide wurden hingewiesen, dass dies nicht geht. Unser Personal hat die Umsetzung der Covid-Maßnahmen überwacht“, so der Ortschef.

Was passierte im Jahr 2020 noch im Bezirk Gänserndorf:

Mehr über die Auswirkungen der Coronakrise auf die Region, den Fund von Skelett-Teilen im Keller eines Hauses in Hauskirchen, den Polit-Zwist zwischen Gänserndorfs Bürgermeister Rene Lobner und Ex-Vizebürgermeisterin Margot Linke, den Misstrauensantrag gegen Spannbergs VP-Bürgermeister Herbert Stipantiz, das aufgeflogene Drogenlabor in Leopoldsdorf sowie einen Rückblick auf die Gemeinderatswahlen lest ihr in der Printausgabe der Gänserndorfer NÖN und im ePaper vom 30. Dezember 2020.