Familie empört: Behörde nimmt Kinder ab. Jugendamt ortete Gefährdungssituation. Zu Unrecht, meint der Vater. Zu Recht, sagt das Gericht.

Von Nina Wieneritsch. Erstellt am 09. Januar 2019 (06:01)
Symbolfoto: Shutterstock/Photographee.eu
Die dreijährige Tochter wurde vom Jugendamt bei Pflegeeltern untergebracht.

Sexuelle Übergriffe gegen das eigene Kind – so lautet der Vorwurf des Jugendamtes gegenüber Herbert Strommer, der dem Jedenspeigener seit Weihnachten schlaflose Nächte bereitet.

Am Mittwoch vor Heiligabend sei die dreijährige Tochter ohne Vorwarnung vom Jugendamt aus dem Kindergarten mitgenommen worden. Nun befinde es sich laut Kenntnisstand des Vaters bei Pflegeeltern – genauer Aufenthaltsort unbekannt.

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Bezirkshauptmann Martin Steinhauser: „Die Abnahme erfolgte völlig zu Recht.“

Ihre drei Söhne wurden der Familie schon früher von der Behörde abgenommen. Sie befinden sich aktuell im SOS-Kinderdorf in Hinterbrühl (Bezirk Mödling), Kontakt zu ihnen bestehe nicht. Auch sie seien damals vom Jugendamt ohne handfeste Gründe mitgenommen worden. „Die Vorwürfe der Behörde sind völlig aus der Luft gegriffen“, so Strommer verzweifelt.

Mittlerweile gibt es für den Fall der kleinen Tochter sogar schon ein Gerichtsurteil, das die Vorgehensweise des Jugendamtes bestätigt – natürlich zum Unverständnis des Vaters. Alle bisherigen Versuche, mit den Verantwortlichen zu sprechen, seien fehlgeschlagen. „Und das Jugendamt gibt keine Stellungnahme ab“, ist Strommer empört.

„Es ist eine komplexe, delikate Geschichte“

Die NÖN kontaktierte die Behörde. Für das Jugendamt stellt sich der Sachverhalt anders dar. Bezirkshauptmann Martin Steinhauser merkt an, dass „die Abnahme aus unserer Sicht völlig zu Recht“ erfolgte. Im Fall der dreijährigen Tochter sei eine „eindeutige Gefährdungssituation“ vorgelegen, bei der das Jugendamt einschreiten musste. Mehr kann Steinhauser nicht mitteilen.

Er unterliege der Amtsverschwiegenheit – es sei eine „komplexe, delikate Geschichte“, mit der sich hier befasst werden müsse. Nachsatz: Es stehe Strommer frei, den Rechtsweg zu beschreiten, um das bestehende Gerichtsurteil anzufechten.