Lagerhaus Gänserndorf: Teil sperrt 2021 zu. Anlage schließt mit 31. Dezember 2021. Bauern müssen dann mit ihren Gütern bis nach Obersiebenbrunn oder Mannersdorf fahren.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 23. Dezember 2020 (06:20)
Das Gelände des Raiffeisen-Lagerhauses Marchfeld in Gänserndorf: Der Agrarhandel wird Ende des kommenden Jahres geschlossen. Unter den Landwirten regt sich Unmut. Einer meint: „Da werden wohl manche zur Rickl-Mühle nach Groß-Schweinbarth fahren.“
Mattes

In der Vorwoche berichtete die NÖN online über die bevorstehende Schließung des Lagerhausstandortes Gänserndorf. Jetzt ist es fix: Bis Ende 2021 wird der Betrieb noch aufrechterhalten, dann ist Schluss. Ein Verkauf ist derzeit noch kein Thema. Die weitere Verwendung bleibt offen.

Zur Erinnerung: Es herrscht Unmut unter den Bauern aus Gänserndorf und Umgebung. Sehr kurzfristig wurden Mitglieder und Lieferanten informiert, dass das Lagerhaus in der Bezirkshauptstadt den Agrarhandel schließen und das Gelände verkauft wolle. Zumindest Letzteres ist jetzt vom Tisch – vorerst. Beschlossen wurde allerdings die Schließung des Agrarhandels per 31. Dezember 2021. Die Abstimmung erfolgte dem Vernehmen nach geheim.

Es geht um das Gelände in der Lagerhausstraße. Getreide und andere Feldfrüchte, die bislang von den Landwirten dort angeliefert wurden, sollen auf andere Standorte umgeleitet werden, hauptsächlich nach Mannersdorf und Obersiebenbrunn, aufgeteilt je nach Kultur.

Einer der Landwirte (Name der Redaktion bekannt): „Die Information kommt kurzfristig, ein paar Tage vor Weihnachten. In diesen wenigen Tagen ist es für uns unmöglich, eine rechtliche Prüfung zu beauftragen und Erhaltungsstrategien auszuarbeiten.“ Es sei dieselbe Vorgangsweise wie mit der Lagerhaus-Werkstätte vor zwei Jahren. Auch hier wären Schließungsgedanken nur sehr kurzfristig und ebenfalls einige Tage vor Weihnachten laut geworden. „Heute ist die Werkstätte profitabel“, betont der Bauer.

„Dreifacher Arbeits- und Zeitaufwand“

Die Landwirte hätten einen Zeitraum von zwei Jahren gefordert, um Strategien zu erarbeiten, den Standort wieder attraktiv zu machen: „Für uns ist eine Anfahrt zu den genannten Standorten mit einem dreifachen Arbeits- und Zeitaufwand verbunden.“ Als Zuckerl wurde eine Abgeltung der Transporterschwernis in der Höhe von 4 Euro pro Tonne angeboten, ebenso wie eine Lkw-Abholung, die allerdings separat zu bezahlen ist.

Für den Bauern gäbe noch offene Fragen: „In der Theorie klingt das einfach. Aber wo nehme ich die Arbeitskräfte her, um den erhöhten Aufwand zu bewältigen? Und was ist, wenn der Lkw am Feld steht und warten muss, weil der Drescher ausfällt? Oder der Drescher steht, weil der Transport noch nicht zurück ist?“ Er schätzt, dass in etwa 20 bis 30 Prozent der Lieferanten ausfallen werden.

Mit der Einjahresfrist keimt aber doch noch etwas Hoffnung auf: „Vielleicht ist es ja möglich, bis dahin etwas zu ändern.“ Hoffnung setzt der Landwirt auch auf die Bundesregierung, die die regionale Versorgung bekanntlich stärken will.