Wirbel um einstige Synagoge. Historikerin und Israelitische Kultusgemeinde kritisieren geplanten Abriss des ehemaligen Gebetshauses. VP-Stadtchef Lobner: „Gebäude gehört Stadtgemeinde.“

Von Manuel Mattes. Erstellt am 20. Juni 2018 (04:21)
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Historikerin Ingrid Oberndorfer: „Die ehemalige Synagoge ist absolut erhaltenswert.“
Mattes

Historikerin Ingrid Oberndorfer läuft Sturm gegen die Pläne der städtischen Volkspartei, die ehemalige Synagoge auf der Bahnstraße abzureißen. „Wir sollten das wenige jüdische Kulturgut, das noch erhalten ist, schützen und bewahren“, so Oberndorfer, die auch an der Sanierung des jüdischen Friedhofs in Deutsch-Wagram federführend beteiligt ist.

Es wirke unglaubwürdig, wenn VP-Bundeskanzler Sebastian Kurz nach Israel fahre, dort auf Österreichs historische Verpflichtung hinweise und gleichzeitig in der Heimat Österreich ehemalige jüdische Gebetshäuser abgerissen würden.

Diese Inschrift fand Ingrid Oberndorfer auf dem Dachboden der ehemaligen Gänserndorfer Synagoge.
Oberndorfer

Oberndorfer hat zudem am Dachboden des Gebäudes in der Bahnstraße eine Inschrift mit einem Namen sowie ein Datum im Verputz gefunden (Lichtl Peter, 10. 5. 1941). „Möglicherweise handelt es sich dabei um einen Juden, der als ,U-Boot‘ untergetaucht war, ich bin gerade am Recherchieren.“ Wie steht eigentlich die Israelitische Kultusgemeinde den Plänen der Gemeindeführung gegenüber?

Kultusgemeinde findet Pläne „bedauerlich“

„Ich finde es bedauerlich und befremdlich, dass die ehemalige Synagoge Parkplätzen weichen soll. Wir sind der Ansicht, dass das Gebäude in einer anderen Form genutzt werden sollte, beispielsweise als Museum. Aber das Haus gehört der Gemeinde“, so Raimund Fastenbauer, Generalsekretär für jüdische Angelegenheiten, im NÖN-Gespräch.

VP-Bürgermeister René Lobner: „Die Gemeinde ist die uneingeschränkte Eigentümerin.“
NÖN-Archiv

VP-Bürgermeister René Lobner verteidigt das Vorhaben: „Die Stadtgemeinde ist seit Jahrzehnten im Besitz dieses Gebäudes und ohne irgendwelche Auflagen uneingeschränkte Eigentümerin. Da das Haus keinem Denkmalschutz unterliegt, obliegt es einzig der Stadtgemeinde, was mit dem Gebäude passiert. Das ist Fakt.“ Lobner vermutet hinter den Angriffen eine inszenierte Aktion von den Gänserndorfer Grünen und Oberndorfer, die den Abriss verhindern wollen.

Dazu Grünen-Bezirkssprecherin Beate Kainz: „Frau Oberndorfer hat es nicht notwendig, auf den Zuruf der Grünen hin aktiv zu werden. Unsere Meinung ist bekannt: Wir wollen die einstige Synagoge erhalten.“