Zuckerfabrik in Leopoldsdorf: Es bleibt spannend. Agrana will keine „Zwischenstände“ bekannt geben, SP-Ortschef hofft, dass 38.000 Hektar zustande kommen.

Von Stefan Havranek und Markus Szelnekovics. Erstellt am 06. November 2020 (04:50)
Erst Mitte November soll nun feststehen, ob die Leopoldsdorfer Zuckerfabrik eine Zukunft hat.   
Smax

Das Zittern um die Zuckerfabrik geht weiter: Die Agrana teilte Ende August mit, dass es für eine Weiterführung bis Mitte November 2020 eine Zusicherung einer Rübenanbaufläche in Österreich von zumindest 38.000 Hektar geben muss (die NÖN berichtete). Die Frist wurde aus organisatorischen Gründen mit 31. Oktober festgelegt, um für die Nacharbeit und Kontraktfixierung einen Zeitpuffer zu haben.

„Dies gilt unverändert. Daher werden auch bis Mitte November eintreffende Kontrakte berücksichtigt“, informiert Agrana-Pressesprecher Markus Simak, der gleich klarstellt: „Zum Kontrahierungsstand werden aus kapitalmarktrelevanten Gründen keine Zwischenstände bekannt und auch keine Bestätigungen zu kursierenden Zahlen gegeben.“

SP-Bürgermeister Clemens Nagel wünscht sich den Fortbestand der Zuckerfabrik.
NÖN

Leopoldsdorfs SP-Bürgermeister Clemens Nagel erwartet ein knappes Rennen: „Es ist sicher nicht leicht, Landwirte zu überzeugen, da die Agrana nicht in der Lage und bereit ist, mehr pro Tonne Rüben zu zahlen. Ich hoffe, dass die geforderten 38.000 Hektar dennoch zustande kommen. Sollten 37.500 oder nur 37.000 zusammenkommen, hoffe ich, dass die Agrana kein Punkt-und-Beistrich-Blocker ist und dass man mit sozialer Verantwortung für eine Region eine zukunftsweisende Entscheidung trifft und nicht wegen ein paar Hektar die Flinte ins Korn wirft.“

Ein Landwirt erinnert sich: „Die Rübe galt früher als Königin der Feldfrüchte. Über die Jahre haben sich die Pachten für die Felder verdoppelt, die Kosten für die Maschinen sind sogar um das Vierfache gestiegen.“ Ein anderer Bauer sucht die Schuld vor allem bei der (EU-) Politik und dem Neonicotinoid-Verbot: „So schützte man die Keimlinge vor Schädlingen. Die EU-Kommission hat entschieden, dass Wirkstoffe aus dieser Gruppe nicht mehr verwendet werden dürfen, weil sie als Bienen gefährdend gelten. Dabei blühen unsere Zuckerrüben gar nicht, werden also nicht von Bienen angeflogen.“ Ohne diese Form des Pflanzenschutzes fräßen im Jugendstadium der Rüben Schädlinge die Pflanzen. Dem Appetit des Rübenrüsselkäfers seien Tonnen an Zuckerrüben zum Opfer gefallen.

Arbeiter sorgen sich um Jobs

Auch die Arbeiter sorgen sich um ihre Jobs, einige äußerten sich anonym gegenüber der NÖN: „Seit Jahren geht der Personalabbau voran. Es wurden Unsummen ausgegeben, um Personal einzusparen. Da gibt es Stationen, wo tausende Euro ausgegeben wurden, um eine Stelle einzusparen. So wurden Inspektionen in einigen Schichten auf einen Mann reduziert, was soll der allein machen? Die Agrana fühlt sich nur noch den Aktionären verpflichtet. Das Personal ist denen völlig egal.“

„Die Kritik ist nicht nachvollziehbar“, erwidert Simak: „Faktum ist, dass der Zuckermarkt seit dem Ende der europäischen Zuckerproduktionsquoten vor großen Herausforderungen steht. Gerade deshalb haben wir in Leopoldsdorf in den vergangenen Jahren mit 34 Mio. Euro stark in die Wettbewerbsfähigkeit investiert. Ebenso notwendig war es, Kosten zu optimieren, um effizienter zu werden. Diese Maßnahmen betrafen auch Umstrukturierungen bei Arbeitsabläufen. Insgesamt ging der Personalstand in Leopoldsdorf seit 2015 leicht um 7 Prozent zurück.“