Gänserndorf bekommt "neuen Diamanten". Die Bagger sind bereits aufgefahren, die mittleren Trakte sind verschwunden: Die Bauarbeiten beim Konrad Lorenz Gymnasium haben begonnen. Direktorin Eva Zillinger ist überglücklich und griff mit hoher Politporminenz zum Spaten.

Von Sandra Frank. Erstellt am 22. Juli 2020 (13:40)
Mit dem Griff zu den Spaten wurde ein großes Projekt eingeläutet, das den Bildungsstandort Gänserndorf aufwerten wird: Das Konrad Lorenz Gymnasium wird umgebaut und erneuert.
NLK/Pfeiffer

"Ich strahle mit der Sonne um die Wette", waren die ersten Worte von Eva Zillinger. Als Direktorin des Konrad Lorenz Gymnasiums in Gänserndorf durfte sie bei der Spatenstichfeier die Begrüßungsworte sprechen. 

Vor elf Jahren hat sie die Funktion der Direktorin übernommen, da rief sie das Team "Helping Hands" ins Leben, das zur Aufgabe hatte, den desolaten Bau aus den 1970er Jahren lebens- und liebenswerter zu gestalten. Zillinger gab aber zu, ihr schwebte bereits Größeres vor. 

Das hat sie nun geschafft: Seit etwa einem Jahr werden die Gymnasiasten in einem Containerdorf unterrichtet, im Frühjahr wurde am Standort der Gärtnergasse mit den Abbrucharbeiten begonnen. "Als der erste Bagger eingefahren und die erste Wand gefallen ist, kam zur Freude schon etwas Wehmut hinzu", erzählte die Direktorin, dass sie das Gebäude bereits ihr ganzes Leben lang begleitet. Als dieses 1974 eröffnet worden ist, besuchte sie die erste Klasse.

"Hier werden Werte vermittelt"

Eine "intensive Vergangenheit und Gegenwart" verbindet auch Stadtchef René Lobner mit dem Schulgebäude. Er selbst hat dort maturiert, war eine Zeit lang direkter Nachbar und nun besucht eine seiner Töchter die Bildungseinrichtung. Darum weiß er: "Hier wird nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Werte." 

Mit dem neuen Gymnasium, das im Herbst 2022 eröffnet werden soll, werde Gänserndorf als Bildungsstandort enorm aufgewertet. Ein Umstand, der den Bürgermeister nach oft zähen Verhandlungen besonders freut.

Diesen Freudentag für das Konrad Lorenz Gymnasium wollte Wolfgang Gleissner, Geschäftsführer der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) keinesfalls verpassen und verschob kurzerhand seinen Urlaub. Das Projekt sei nämlich das erste, das in der Covid-19-Zeit umgesetzt werde, und das erste aus dem großen Schulentwicklungsprogramm. Der dritte Punkt, der den 22. Juli für Gleissner zu einem Freudentag macht, ist ein persönlicher: "Ich habe immer die Sommerferien hier verbracht", spricht er von seinen Großeltern, die in der Weikendorfer-Straße lebten. 

Spatenstich für neue Schule, aber ohne Schüler

"Hier, wo wir jetzt stehen, werden 30 Klassen entstehen", berichtete der BIG-Geschäftsführer. Ein dreigeschoßiger Zubau werde die beiden Bestandsgebäude miteinander verbinden, das Gym wird um 14 Klassen erweitert. Gebaut werde nachhaltig, betonte Gleissner. Geheizt werde mit Erdwärme, ein innovatives Lüftungssystem werde installiert. Das Dach wird eine "relativ große Photovoltaik-Anlage" bekommen. 

"Einen Spatenstich mitten in den Ferien ohne die Schüler zu machen, ist einzigartig", schmunzelte Bildungsdirektor Johann Heuras. Er hat das Leitbild des Konrad Lorenz Gymnasiums genau unter die Lupe genommen und ist überzeugt: "Heute werden wir die Rahmenbedingungen zur Umsetzung dieses Leitbilds optimieren." Der Direktorin und ihrem Team zollte er Respekt: "Es ist kein Honiglecken unter solchen Umständen zu lehren", sprach er Containerdorf, Abbruch und Baustelle an. Immerhin besuchen etwa 900 Schüler die Bildungseinrichtung. "Das ist unglaublich."

"Kette an Schulen bekommt Diamanten"

"Es wird eine Schule, die mit der, wie sie früher einmal war, nicht mehr zu vergleichen sein wird", ist Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister überzeugt. Sie war bereits einen Tag zuvor in Gänserndorf unterwegs und nahm an einer Bildungsdiskussion teil. Was sie da gespürt hat: "Die Schule ist ein wichtiger Bestandteil der Region." Es sei kein Neid zu spüren, dass das Konrad Lorenz Gymnasium teilweise neu errichtet und saniert werden. Zillinger sei als Direktorin perfekt vernetzt mit den anderen Schulen. "Es ist eine Kette an Schulen, die miteinander arbeiten, und diese Kette bekommt jetzt einen Diamanten."

Und weil das Projekt so wichtig und groß ist, ließ es sich auch Bildungsminister Heinz Faßmann nicht nehmen, sich einen Spaten zu schnappen. Er sei gern bei solchen Grundsteinlegungen dabei, denn: "Kaum bist du Politiker, bist du auch schon wieder keiner", scherzte er. "Was bleibt, sind Projekte wie diese."