Arzt aus Groß-Schweinbarth geht „G’impftes“ auf. Allgemeinmediziner äußert Kritik an Impfstrategie der Regierung. Er fordert, dass Personen, die aus beruflichen Gründen keinen Abstand halten können, vorgezogen werden.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 20. Januar 2021 (04:39)
Helmut Legat übt Kritik an der Impfstrategie der Bundesregierung.
Mauritsch

Helmut Legat ist niedergelassener Arzt und übt heftige Kritik an der Impfstrategie der Bundesregierung. „Personen, die aus beruflichen Gründen keinen Abstand einhalten können, müssten vorgezogen werden.“ Das gelte nicht nur für Mitarbeiter sogenannter kritischer Infrastruktur. Die sollen laut Impfplan des Gesundheitsministeriums ab Februar geimpft werden. Die anderen sowieso erst gegen Mitte des Jahres – wenn alles gut geht.

Anhaltend hohe Infektionszahlen, Corona-Müdigkeit der Bevölkerung und jetzt auch noch das mutierte Virus mit gesteigerter Ansteckungsgefahr – Fakten, die dem Arzt die Sorgenfalten ins Gesicht treiben. „Worauf warten wir noch? Das geht alles viel zu langsam“, so Legat. Auch wenn den derzeitigen Erkenntnissen zufolge die mutierte Variante des Virus nicht tödlicher ist, so sei aufgrund der höheren Infektionsrate auch mit mehr Todesfällen zu rechnen. Dann räumt er gleich mit einem Gerücht auf: „Es infizieren sich sehr wohl auch jüngere Menschen, die dann einen schweren Verlauf haben.“

Am liebsten wäre ihm, er hätte sofort für alle Impfwilligen das Serum zur Hand. Das sei derzeit nur Wunschdenken. Legat plädiert dafür, schon in der Phase 2 alle Menschen zu impfen, die aus beruflichen Gründen keinen Abstand wahren können. „Da müssen jetzt alle Kollegen ran. Es geht um viel, wir sind ja nicht im Urlaub“, so Legat. Impfstraßen müssten eingerichtet werden, die niedergelassenen Ärzte schon viel früher mit ins Boot geholt werden.

„Bei Berufstätigen ist Impfung dringender“

„Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich gönne jedem seine Schutzimpfung. Aber wenn jemand allein zuhause ist, keine Kontakte haben muss und dadurch nur eine sehr geringe Ansteckungsgefahr hat, ist die Impfung dort vielleicht nicht so dringend wie bei berufstätigen Menschen, die arbeiten müssen.“ Den Lockdown auszudehnen, bis alle geimpft sind, werde wohl auch nicht gehen. Ein gesundheitliches Desaster ginge dann mit einem wirtschaftlichen einher.

„Ich könnte in meiner Praxis täglich 50 bis 100 Personen trotz ausgeweiteter Bürokratie impfen, mit Assistenz“, sagt Legat. Bei diesem Tempo wäre die gesamte Ortsbevölkerung zeitnah durchgeimpft, deren Einverständnis vorausgesetzt.

Legat plädiert dafür, dass die praktischen Ärzte den Impfstoff abrufen können, wie es jetzt schon bei der Grippeimpfung der Fall ist. „Ich habe allein in meiner Praxis schon eine Liste von Impfwilligen im Alter von 65 plus, jüngere noch gar nicht dazugezählt.“ Und dass Ärzte mit Impfstoff umgehen können, sei wohl vorauszusetzen.

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