Der Wert eines Geständnisses. Fußspuren, Zeugen, Videoaufzeichnungen, Rufdatenrückerfassungen und auch die Observationsarbeit der Polizei lieferten Staatsanwalt Stefan Dunkl eine schlüssige Beweiskette im Verfahren gegen insgesamt fünf Angeklagte am Landesgericht Korneuburg.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 21. Dezember 2020 (19:04)
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Verhandelt wurden im Schöffensenat unter Vorsitz von Manfred Hohenecker vier Metalldiebstähle im Mai dieses Jahres in Krems, Strasshof, St. Pölten und Gerasdorf, die einen Gesamtschaden von an die 300.000 Euro verursachten.

Der klaren Beweislage folgend, erinnerte Hohenecker an den hohen Wert einer geständigen Verantwortung, fügte aber auch hinzu: „Gestehen kann man nur, so lang es nicht am Tisch liegt.“ Der Richter stellte unter dieser Voraussetzung – trotz der hohen Schadenssumme – eine teilbedingte Strafe in Aussicht. Verteidigerin Vera M. Weld sorgte mit ihrem Eröffnungsplädoyer für einige Verwirrung. Die bosnische Herkunft der Angeklagten veranlasste sie, „eine Lanze für die Bosnier zu brechen“ und sie holte diesbezüglich über den Wiener Kongress und Sarajevo 1914 sehr weit aus.

Für ihre zwei jugendlich wirkenden Mandanten, die sich schuldig bekannten, beantragte sie eine Diversion. Zwei bereits in Haft befindliche Beschuldigte hatten sich schon vorher voll geständig gezeigt. Der fünfte Angeklagte bekannte sich in einem der Fälle für schuldig, in einem anderen jedoch für nicht schuldig, wobei auch in diesem Fall die Rufdatenrückerfassung eindeutig zugeordnet werden konnte. „Wird alles ein Zufall sein“, machte Hohenecker aus seinen Zweifeln keinen Hehl.

Was dann folgte, fasste Verteidiger Peter Philipp später ziemlich treffend zusammen: „Das hab ich in 49 Jahren noch nicht erlebt.“ Nachdem Hohenecker dachte, die Situation und Vorgangsweise hinlänglich klar gemacht zu haben, wandte er sich mit der ersten Frage an den Erstangeklagten. Zur Antwort bekam er ein knappes: „Das war ich nicht!“ Die Gemütslage Hoheneckers schlug im Moment um, da er den Eindruck bekommen konnte, „gefrotzelt“ zu werden. Nach eindringlichen Worten des Richters – sowohl an die Angeklagten als auch an die Verteidiger – unterbrach er die Verhandlung, um den Parteien die Möglichkeit der Besprechung einzuräumen. Ab der ersten Unterbrechung fand die weitere Verhandlung – auch durch weitere Unterbrechungen – vermehrt auf dem Gang des Landesgerichts als im Saal statt. Statt das Angebot anzunehmen, zog der Erstangeklagte nämlich sein Schuldbekenntnis weitgehend zurück.

Schließlich waren es der Haupttäter und dessen Verteidiger Simon Häussler, die Ordnung in den eigentlich glasklaren Fall brachten. Sein Mandant identifizierte die Mitangeklagten als Täter, womit ein weiteres Mal bewiesen war: „Sie waren alle immer zusammen.“ Erneut gab Hohenecker den Angeklagten die Chance, sich mit ihren Verteidigern zu besprechen. Das Ergebnis war schließlich die Verurteilung eines der Angeklagten wegen Hehlerei zu 15 Monaten Freiheitsstrafe, davon zehn bedingt.

Die anderen vier wurden des schweren gewerbsmäßigen Diebstahls für schuldig befunden worden und zu Strafen zwischen 24 und 15 Monaten verurteilt, wobei jeweils Teile der Strafe bedingt ausfielen. „Bei diesen Urteilen haben Ihre Mandanten gute Chancen auf eine Fußfessel“, so der Richter. Alle Urteile sind rechtskräftig.