Landwirt Otto Gasselich: „Bio“ als Lebenseinstellung. Sogar auf seinem T-Shirt steht „Biologisch gebaut“. Otto Gasselich ist der Vorzeige-Bio-Landwirt des Bezirks und ein Idealist, der Überzeugungsarbeit leisten will.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 14. August 2019 (04:47)
Schindler
Bio-Bauer Otto Gasselich bewirtschaftet in seiner Heimatgemeinde Lassee 80 Hektar Ackerland.

Er ist ein Kämpfer für die biologische Landwirtschaft, Obmann der Vereinigung „Bio Austria“ für Wien und NÖ und er lebt in Lassee: Otto Gasselich. Im NÖN-Interview erklärt er, warum in Produkten „Bio“ drinnen ist, wenn „Bio“ draufsteht.

NÖN: Wie viele Landwirte im Bezirk Gänserndorf bewirtschaften ihre Felder biologisch?

Gasselich: Mittlerweile sind es über 20 Prozent. Im östlichen Marchfeld sind es mehr als 50 Prozent und in meiner Heimatgemeinde sogar 70 Prozent. Ich selbst war früher auch ein konventioneller Bauer, nämlich von 1978 bis 2008. Dann habe ich auf „Bio“ umgestellt.

Wählen Bio-Bauern eigentlich die Grünen?

Gasselich (lacht): Ein paar sicher. Aber die meisten kommen aus dem ÖVP-Lager. Ich gehöre auch dem schwarzen Bauernbund an – wobei die „Bio Austria“ überparteilich ist. Hier geht es nicht um Politik, sondern rein um die Förderung des biologischen Landbaus.

Warum sorgte Ihre Aussage „Vor 100 Jahren gab es auch keine Spritzmittel und die Ernteerträge waren gut“ in einem kürzlich erschienenen NÖN-Bericht für Aufregung bei manchen konventionellen Landwirten?

Gasselich: Weil ich missverstanden wurde. Meine Aussage bezog sich ausschließlich auf die Zuckerrübenernte und den Rüsselkäfer. Auch hatte ich nicht dezidiert den Hektarertrag gemeint. Ich wollte nur ausdrücken, dass früher, als es die ganze Chemie in der Landwirtschaft noch nicht gab, die Äckerbewirtschaftung auch funktionierte. Früher waren wir alle Bio-Bauern.

Was genau darf ein Bio-Landwirt und was darf er nicht?

Gasselich: Das ist genau vorgeschrieben. Kurz gesagt, er darf weder Pestizide noch Kunstdünger einsetzen. Wir dürfen aber sehr wohl organischen Dünger, sprich Grünzeug und biologischen Stallmist, verwenden. Bei Obst, Gemüse, Wein und Hopfen dürfen wir auch Pflanzenschutzmittel anwenden, nämlich Kupfer, Backpulver, Schwefel, Schaffett und vier Insektizide in bestimmten Mengen. Schließlich wird alles giftig, wenn man es übertreibt.

Welches Insektizid zum Beispiel ist biologisch?

Gasselich: Eine Substanz, die von den Neembäumen gewonnen wird. Das wussten schon die alten Römer, dass die Insekten um diese Bäume einen Bogen machten.

Lehnen Bio-Bauern die heutige Technik ab?

Gasselich: Ganz im Gegenteil. Wir arbeiten bei der Bewirtschaftung vermutlich mehr mit GPS als die konventionellen Bauern, zum Beispiel bei der Beikraut-Regulierung.

Ist das nicht ein anderes Wort für Unkraut-Vernichtung?

Gasselich: Bei uns gibt es keine Unkräuter. Und mit regulieren meinen wir dezimieren. Vernichten kann man es nicht, sonst würde es nach 50 Jahren Herbizid-Einsatz kein Beikraut mehr geben.

Warum ist die hundertprozentige Bio-Landwirtschaft Ihrer Meinung nach die Zukunft? Bio-Produkte sind ja teurer.

Gasselich: Dafür sind sie so gut wie schadstofffrei. Außerdem ist die Bio-Landwirtschaft die beste Antwort auf die Klimakrise.