Wenig Zeit für Senioren? Hilfswerk-Bewohnerin klagt an. Eine Bewohnerin eines vom Hilfswerk betreuten Hauses in Lassee ärgert sich, weil in Corona-Zeiten weniger Zeit für die Senioren bleibt. Hilfswerk reagiert auf die Kritik.

Von Stefan Havranek und Ernst Spet. Erstellt am 05. Februar 2021 (04:06)
Eine Bewohnerin ist mit der Betreuung des Hilfswerks nicht zufrieden.
Spet

Die Bewohnerin eines vom Hilfswerk betreuten Hauses (Name der Redaktion bekannt), fühlt sich „in Corona-Zeiten ausgegrenzt“, wie sie der NÖN schildert. „Hier wohnen auch Senioren zwischen 80 und 90 Jahren, es gibt keine Betreuung und keine zusätzlichen Testungen. Die Gemeinde sieht uns nur als betreubares Wohnen, obwohl wir einen Vertrag über betreutes Wohnen unterschrieben haben.“

Sie führt aus: „Wir sind ein Haus in Lassee und werden vom Hilfswerk betreut. Dafür bezahlen wir im Monat 71 Euro – egal, ob wir es brauchen oder nicht. In dem Haus wohnen 30 Senioren, und so kommt ein ansehnliches Sümmchen zusammen.“ Unter Betreuung verstehe das Hilfswerk je zwei Stunden an zwei Vormittagen zum Zusammenkommen für Spiele, Basteln und Kaffeetrinken sowie ein Mal im Monat Beratung.

„Dann kam Corona und am 16. März teilte uns die Leiterin des Bezirks mit, dass das Hilfswerk seine Besuche einstellt. Es kommt nur noch zu den Personen, die eine intensive Betreuung brauchen und noch zusätzlich bezahlen. Wir konnten für die Zeit mit Druck eine Preissenkung erreichen“, berichtet die Bewohnerin und ergänzt: „Jetzt haben wir seit dem letzten Lockdown wieder keine Betreuung und es werden erneut die 71 Euro eingehoben. Wir werden aber lediglich ein Mal pro Woche angerufen. Das Hilfswerk kassiert, ohne eine Leistung zu erbringen.“

Für den ersten Corona-Massentest seien die Bewohner zwischen 17 und 17.30 Uhr eingeteilt: „Da denkt keiner nach, dass alte Menschen in der Nacht nicht mit dem Rollator aufs Gemeindeamt gehen können. Ich habe dann den Bürgermeister (Roman Bobits, ÖVP, Anm.) überzeugt, dass das nicht geht und er hat uns dann sogar ein Fahrzeug zur Verfügung gestellt, damit wir jederzeit testen gehen konnten“, findet sie auch lobende Worte für die Gemeinde.

Hilfswerk: „Gebühren wurden reduziert“

Was sagt man beim Hilfswerk zu den Vorwürfen? „Es ist vergangene Woche an die betroffenen Mieter ein Schreiben ergangen, in dem steht, dass der zu zahlende Beitrag um 25 Prozent reduziert wird – rückwirkend mit November, auch der Monat Februar wird ermäßigt. Somit war ein Monat gratis“, heißt es in einer Stellungnahme. Es seien für alle schwierige Zeiten und es bedürfe besonderen Gespürs für gewisse Situationen. Die Besuchstermine wurden etwas reduziert, deswegen auch die Ermäßigung der Gebühr, telefonisch werde natürlich auf jedes Anliegen der Bewohner eingegangen. Für eine intensivere Betreuung müsste dann mit dem betreffenden Bewohner individuell ein Betreuungsangebot vereinbart werden.

ÖVP-Bürgermeister Bobits erklärt, dass ein Schreiben an jeden Haushalt ergangen sei, in dem die Termine der Tests für alle Ortsabschnitte festgelegt waren: „Auf dem Zettel stand auch ausdrücklich, dass die Termine nicht bindend sind und jeder Bürger zum Test kommen kann, wie es für ihn am besten ist.“

Zudem habe er ein Fahrzeug zur Verfügung gestellt, um Mitbürger, die gebrechlich oder nicht mobil sind, zu den Tests zu bringen: „Dieses Angebot wurde aber nur zwei Mal in Anspruch genommen. Es handelt sich bei dieser Wohnhausanlage um private Mietverhältnisse, die keinerlei Bezug zur Gemeinde haben“, informiert Bobits.