Gänserndorf: FP-Öhler ist jetzt eine „Wilde“ . Gemeinderätin Ingrid Öhler ist keine Blaue mehr. Freiheitliche stellen nur noch eine Mandatarin in Gemeinderat.

Von Sandra Frank. Erstellt am 22. Juli 2020 (04:36)
Bild aus besseren Tagen: Dieter Dorner (r.) präsentierte für die Gemeinderatswahlen 2020 mit Peter Vlasak und Ingrid Öhler eine FPÖ-Doppelspitze. Nachdem die Freiheitlichen ihre vier Mandate halbierten, nahm Vlasak den Hut. Jetzt hat die FPÖ auch Öhler verloren.
Archiv/Frank

„Ich kann Ihnen nicht sagen, was passiert ist. Ich bin jedenfalls persönlich schwer enttäuscht“, sagt FPÖ-Bezirksparteiobmann Dieter Dorner über den Parteiaustritt der Gänserndorfer Mandatarin Ingrid Öhler.

Sie habe ihm in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass sie aus der Partei austrete. „Sie hat gesagt, ihr ist alles zu viel. Das verstehe ich“, meint Dorner. Was er allerdings nicht versteht, ist, dass sie ihr Mandat behalten will. „Rechtlich steht es ihr zu, das ist klar“, weiß der Landtagsabgeordnete. Bleibt Öhler bei ihrer Meinung, wird Gemeinderätin Marion Klameker zur Einzelkämpferin für die FPÖ.

„Jeder Mensch kann einmal Krisen haben. Ich werde jetzt in alter, neuer Frische weiterarbeiten.“Ingrid Öhler, wilde Mandatarin

„Ich habe persönliche Gründe dafür, weshalb ich aus der Partei ausgetreten bin“, sagt Öhler auf NÖN-Nachfrage und betont: „Ich möchte auf keinen Fall Schmutzwäsche waschen.“ Ihr Mandat werde sie selbstverständlich behalten.

Der FPÖ-Bezirkschef gibt sich nicht so zurückhaltend. Öhler habe „leider seit Beginn ihrer Funktionsperiode jegliche Arbeitsmoral vermissen lassen“, wirft er ihr vor. Ihre Tätigkeit im Prüfungsausschuss habe sie ebenfalls nicht ernst genommen. Und das, obwohl er selbst Öhler mehrmals darauf hingewiesen habe, dass die Arbeit im Prüfungsausschuss von zentraler Bedeutung sei. „Anstatt die Arbeit aufzunehmen, hat sie aus Trotz die Partei verlassen“, wettert Dorner und wirft ihr „Mandatsraub“ vor.

„Jeder Mensch kann einmal eine Krise haben. Ich bin dabei, diese beizulegen, und werde in alter, neuer Frische weiterarbeiten“, wehrt sich die Mandatarin gegen die Vorwürfe ihrer ehemaligen Partei. Sie sei gesundheitlich angeschlagen gewesen, darum habe sie nicht so wie gewohnt für die Gemeinde arbeiten können. Außerdem habe die Coronapandemie dazu beigetragen, dass es ruhiger gewesen ist. Die Anschuldigungen, sie sei nicht arbeitswillig, seien schlicht haltlos.

Dass Öhler ihren Sitz im Gänserndorfer Gemeinderat behalten will, hält der Bezirkschef für „moralisch falsch“, obwohl das Mandat an die Person und nicht an die Partei gebunden ist. Warum es den Freiheitlichen ärgert? „Sie hat das Mandat mithilfe der FPÖ erlangt. Wir haben sie im Wahlkampf unterstützt.“

Dorner hofft, dass die ehemalige Freiheitliche ihr Mandat doch noch einem „arbeitswilligen“ Kandidaten zur Verfügung stellen wird. „Nachdem sie für die FPÖ kandidiert hat und die Wähler der Freiheitlichen Partei ihr Vertrauen entgegengebracht haben, ist das die logische Konsequenz“, so die Auffassung des Landtagsabgeordneten.

FPÖ will Mandat zurück, Öhler bleibt aber hart

Für den Bezirkschef ist es gerade besonders bitter, dass Öhler eine „Wilde“ auf Kosten der Freiheitlichen sein will. Erst Anfang des Monats wurde Werner Cermak aus der FPÖ Deutsch-Wagram ausgeschlossen (die NÖN berichtete). Er bleibt ebenfalls im Gemeinderat. „Sowohl Cermak als auch Öhler sollten in sich gehen und nochmals darüber nachdenken, ob sie dies mit ihrem Gewissen, speziell gegenüber ihren Kameraden in den jeweiligen Ortsgruppen, vereinbaren können“, mahnt der Abgeordnete.

In beiden Orten gebe es fähige Mandatare, die die Positionen laut Dorner besetzen können und wollen. „Ganz offensichtlich geht es beiden ausschließlich ums Geld“, wettert er. Beide Verluste seien bedauerlich, es sei aber auch ein Vorteil, auf Opportunisten könne die FPÖ im Bezirk freilich verzichten.

„Ich habe mir mein Mandat verdient“, kontert Öhler. Sie sei bei vielen Aktionen – unterstützt von ihrem Mann – dabei gewesen, habe regelmäßig Veranstaltungen in der Bezirkshauptstadt besucht. Innerhalb wie außerhalb des Gemeinderates werde ihr Respekt entgegengebracht, sagt sie. „Ich werde meine Aufgaben im Gemeinderat und im Prüfungssauschuss wieder aufnehmen“, zeigt sich die nun „wilde“ Mandatarin motiviert.