Erntehelfer-Affäre: Gericht weist Klage gegen Bauern ab. Klage gegen landwirtschaftlichen Betrieb in Mannsdorf wurde wegen eines Formalfehlers vom Gericht zurückgewiesen.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 10. Dezember 2020 (05:10)
Eines der Erntehelfer-Quartiere der Firma Sulzmann, die im Visier der Behörden stand.
Schindler

Eine schwere Niederlage musste nun die Gewerkschaft im Streit zwischen einer rumänischen Erntehelferin, die von ihr vertreten wird, und dem Landwirtschaftsbetrieb Sulzmann (die NÖN berichtete mehrmals) hinnehmen.

Kann seine Schadenfreude nicht verbergen: Unternehmensberater Michael Slamanig.
NÖN-Archiv

Die Klage der Gewerkschaft wurde nämlich wegen eines Formalfehlers vom Gericht zurückgewiesen. „Somit ist der Betrieb Sulzmann mittlerweile von allen Vorwürfen entlastet“, freut sich Unternehmensberater Michael Slamanig, der die Firma Sulzmann vertritt.

Zur Erinnerung: Die Erntehelferin hatte die Wohn- und Arbeitsbedingungen in Mannsdorf angeprangert. So soll es Schimmel an den Wänden, Ungeziefer im Bett, ein Schlafzimmer für elf Personen und Stundenlöhne von lediglich vier Euro bei Arbeitstagen, die bis zu 14 Stunden dauerten, gegeben haben. Mehrere Behörden (Sozialversicherung, Finanzpolizei, Arbeitsinspektorat) nahmen daraufhin den Bauernhof unter die Lupe. Sie entdeckten aber so gut wie nichts Verwerfliches – außer eine Handvoll Wasser- bzw. Schimmelflecken.

„Der Betrieb Sulzmann ist nun von allen Vorwürfen entlastet.“ Michael Slamanig, Unternehmensberater

Der Fall rief auch die Produktionsgewerkschaft PRO-GE auf den Plan. Sie wollte in der Folge den Streit vor Gericht austragen. NÖ-Landessekretär Patrick Slacik damals zur NÖN: „Wir verklagen die Firma Sulzmann. Es gibt noch sechs weitere Erntehelfer, die die Vorwürfe bestätigen. Sie mussten zum Beispiel bis zu 17 Stunden am Tag arbeiten.“ Sulzmann-Berater Slamanig wünschte sich zwar keinen Gerichtsprozess, aber rechnete damit: „Immerhin gibt es dann Klarheit. Dort muss die Gewerkschaft nämlich Beweise vorlegen und nicht – wie jetzt – nur Behauptungen aufstellen.“

Zum Prozess kam es aber gar nicht. Grund: Die Gewerkschaft hatte bei der Klageschrift die beklagte Partei falsch bezeichnet. Slamanig, selbst studierter Jurist: „Dies lernt man im ersten Semester eines Jus-Studiums. Damit ist das Ganze erledigt. Ein zweites Mal kann die Gewerkschaft in diesem Fall nicht mehr klagen.“ PRO-GE-Landessekretär Slacik war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.