Erntehelfer-Quartier wurde nun von Behörde gesperrt. Land- und Forstwirtschaftsinspektion schloss jetzt Unterkunft der Arbeitskräfte in Mannsdorf. Finanzpolizei ermittelt gegen Bauer.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 19. Juni 2020 (17:29)
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Sie sorgte für Schlagzeilen in ganz Österreich: Jene rumänische Erntehelferin, die die Arbeits- und Wohnbedingungen in einem landwirtschaftlichen Betrieb in Mannsdorf anprangerte. Das Quartier, in dem die Frau und weitere Erntehelfer angeblich untergebracht waren, wurde am Freitag behördlich gesperrt. Die Arbeitskräfte reisten in ihre Heimat zurück.

Schimmel an den Wänden, Ungeziefer im Bett, eine Toilette für 21 Personen und Stundenlöhne von lediglich vier Euro bei Arbeitstagen, die bis zu 14 Stunden dauerten – das sind die Vorwürfe der Erntehelferin. Die Firma Sulzmann weist diese entschieden zurück: Man habe immer den korrekten Lohn (8 Euro brutto) bezahlt. Wie es in den Quartieren aussah, wusste man nicht, wobei die Arbeiter selbst für die Sauberkeit in der Unterkunft verantwortlich seien.

"Schwarzes Schaf unter den Spargelbauern"

„Der Betrieb ist ein schwarzes Schaf unter den Spargelbauern. Die Helfer werden nicht wie Mitarbeiter, sondern wie Sklaven behandelt. So etwas darf man nicht tolerieren“, findet Gänserndorfs Bezirksbauernkammer-Obmann Manfred Zörnpfenning klare Worte.

Werner Magoschitz, Obmann des Vereins „Genuss Region Marchfeldspargel“, gibt sich diplomatischer: „Unsere Saisonarbeiter leisten einen essenziellen Beitrag in unseren Betrieben sowie für unsere Gesellschaft. Sollte sich der besagte Verdacht erhärten, wird der Verein sofort notwendige Maßnahmen ergreifen.“ Diese können laut Vereinsstatuten zu einem unverzüglichen Ausschluss des beschuldigten Mitglieds führen.

Die Marchfelder Spargelbauern seien an einer lückenlosen Klärung des Sachverhalts interessiert, so Magoschitz: „Wir haben immer gedacht, dass alles gesetzlich geregelt ist, damit es nicht zu solchen Missständen kommt. Offenbar gibt es hier aber doch Schlupflöcher.“

„Es ist eine Schande, wie wir Spargelbauern jetzt in der Öffentlichkeit dastehen.“ Werner Magoschitz, Obmann der „Genuss Region Marchfeldspargel“

Immerhin prüfe nun die Finanzpolizei den Fall, so der Obmann. Und weiter: „Es ist eine Schande, wie wir Spargelbauern jetzt in der Öffentlichkeit dastehen. Der Schaden für uns und unser Image ist gewaltig.“ Ist es eigentlich üblich, dass die Erntehelfer für das Quartier auch noch bezahlen müssen? Dies wird von den Unterstützern der Erntehelfer auch kritisiert. Magoschitz: „Wenn die Unterkunft von der Bausubstanz her und hygienisch in Ordnung ist, muss man als Bauer natürlich etwas verlangen. Immerhin verbrauchen die Mitarbeiter monatelang Strom und Heizung.“

Was sagt Mannsdorfs VP-Bürgermeister Christoph Windisch zur aktuellen Aufregung in seiner Gemeinde? „Ich glaube, das war nur die Spitze des Eisbergs. Da sind noch viele Fragen offen, die bis jetzt eigentlich niemanden kümmerten.“ Was genau meint der Ortschef? „Im Meldegesetz steht zum Beispiel nirgends, wie viele Personen man maximal anmelden darf.“ Das heißt: 21 Personen in einem Zimmer wären legal. Windisch: „Es ist auch nicht geklärt, was diese Quartiere rechtlich sind. Beherbergungsbetriebe? Dann wäre eine Taxe fällig.“