Nach Erntehelfer-Aufregung: Betrieb ist jetzt entlastet. Behörden fanden in Mannsdorf nichts Verwerfliches: Quartier ist in Ordnung, Geldabrechnung auch.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 01. Juli 2020 (03:59)
Von den Vorwürfen der rumänischen Erntehelferin gegen die Firma Sulzmann blieb nicht viel übrig.
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Schimmel an den Wänden, Ungeziefer im Bett, ein Schlafzimmer für elf Personen und Stundenlöhne von lediglich vier Euro bei Arbeitstagen, die bis zu 14 Stunden dauerten – so lauteten die Vorwürfe einer rumänischen Erntehelferin gegen die Firma Sulzmann (die NÖN berichtete). Von diesen Anschuldigungen bleibt eigentlich nicht viel über, nachdem verschiedene Behörden den Mannsdorfer Betrieb genau unter die Lupe nahmen.

Unternehmensberater Michael Slamanig, der im Auftrag der Firma Sulzmann spricht, legte der NÖN die behördlichen Schreiben vor: „Es gab eine Kontrolle durch die Sozialversicherungsanstalt und die Finanzpolizei. Alle Mitarbeiter waren angemeldet und bekamen mehr Geld, als im Kollektivvertrag geregelt ist. Auch die paar Euro, die für die Unterkunft einbehalten wurden, waren völlig rechtens.“

Was ist mit dem Vorwurf, dass 14 Stunden am Tag gearbeitet werden musste? Slamanig: „Die Frauen arbeiten immer zu dritt an der Sortiermaschine, einer Art Fließband.“ Wenn eine oder zwei Personen fehlen, laufe das „Werkl“ nicht mehr. „Es hat aber nur die Beschwerdeführerin 14 Stunden in ihren Unterlagen eingetragen, die anderen Frauen acht Stunden. Somit können die 14 nicht stimmen.“ Allein hätte die Rumänin gar nichts arbeiten können.

Arbeitsinspektorat stellte keine Auffälligkeiten fest

Auch das Arbeitsinspektorat fand nichts Auffälliges. Slamanig: „Es konnte kein Schimmel festgestellt werden, beanstandet wurden nur die Stockbetten, feuchte Flecken an den Wänden und verschmutzte Fliesen am Boden.“ Sulzmann besitze zwei Häuser für die Erntehelfer. Diese würden jedes Jahr saniert und stünden dann als Dienstwohnungen zur Verfügung. „Übergeben werden sie in einem einwandfreien Zustand. Wenn später alles verunreinigt ist, Essensreste herumliegen und dadurch Schädlinge gezüchtet werden, dann ist dies nicht die Schuld des Vermieters.“ Für die Reinigung der Unterkunft seien natürlich die Mieter zuständig.

Und warum mussten elf Erntehelfer in einem Zimmer schlafen? Slamanig: „Das mussten sie ja nicht, sondern sie taten es freiwillig. Die hinteren Räume des Hauses blieben unbenutzt, was auch der Arbeitsinspektor sah.“ Wie kann man sich das erklären? „Was wir hörten, war, dass sich die Erntehelfer gegenseitig nicht über den Weg trauten und deshalb jede Großfamilie in einem Zimmer wohnte“, so der Unternehmensberater abschließend.