Anrainerbeschwerden: Radweg statt Bäume?. Weil im Zuge des Umbaus der Bahnstraße einige Holzriesen gefällt werden müssen, gibt es Kritik. VP-Bürgermeister verweist auf Gespräche im Vorfeld.

Von Ernst Spet. Erstellt am 15. Januar 2020 (04:15)
An der Bahnstraße soll ein Radweg entstehen. Dass dafür einige Bäume weichen müssen, ist so manchem Anrainer ein Dorn im Auge.
Spet

Die NÖ Landesausstellung 2022 „Wunderwelt Natur“ im Schloss Marchegg rückt die „aufblühende Region zwischen den Zentralräumen Wien und Bratislava“ in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Viele Touristen werden mit dem Rad kommen – für sie soll der internationale Radweg Kamp-Thaya-March über die Ortsteile Marchegg-Bahnhof und Fünfhaus bis zum Stadtzentrum und Schloss ausgebaut werden.

Doch nun regt sich Widerstand. Denn der Plan von VP-Bürgermeister Gernot Haupt sieht vor, für das Projekt 42 Bäume und dazugehörige Grünflächen zu opfern. Georg Steiner von den Grünen ist sauer: „Das wird eine Betonwüste.“ In Marchegg-Bahnhof würde Richtung ÖBB auf der linken Seite kein Baum den Radweg „überleben“.

"Die Fahrbahn wird dann eine sechs Meter breite Rennstrecke."

Haupt soll im Juni 2018 in der Stadtzeitung noch von Bäumen, die „Schatten, Atmosphäre und Lebensraum für Tiere“ bieten, geschwärmt haben. Der Marchegger Architekt Gerald Eichinger kritisiert: „Wie es ausschaut, wurden keine Alternativen ausgearbeitet und besprochen.“

Der Planer des Radweges, Zivilingenieur Franz Paikl, räumt ein, die Entfernung der Bäume werde dem Stadtklima nicht guttun. Leider müsse der Radweg aber 2,5 Meter breit sein, mit einem Meter Abstand zu parkenden Autos. So sei für Bäume kein Platz mehr.

„Die Fahrbahn wird dann eine sechs Meter breite Rennstrecke. Schon jetzt rasen Zuspätkommende zum Bahnhof“, befürchten Anrainer wie Sozialarbeiter David Dellert. Er hatte Vertreter des Landes zu einem Meeting geladen, um alternative Varianten zu erarbeiten. „Doch Haupt hat unsere Gesprächspartner wieder ausgeladen“, so Dellert.

Haupt kontert: „Es waren Vertreter der Landesausstellung und der Landes-Kulturabteilung geladen. Unter Experten verstehe ich etwas anderes, wie den Straßenmeister oder jemand von der Landesstraßenabteilung.“ Er sei gesprächsbereit: „Ich habe Dellert gesagt, dass er sich mit seinen Leuten zusammensetzen soll und habe einige Vorschläge aufgenommen.“

Laut Plan bleiben 54 Bäume stehen

Derzeit stehen in Marchegg-Bahnhof 71 Bäume, 42 werden geschlägert, einige Bäume sollen auf der gegenüberliegenden Straßenseite neu gepflanzt werden. So bleiben laut Plan 54. Haupt versteht die Aufregung nicht: „Im Oktober wurde der Radweg präsentiert, da habe ich mit den Bewohnern gesprochen.“

Dabei habe sich herauskristallisiert, dass den meisten Anrainern Parkplätze wichtiger als Bäume waren. Eine neue Diskussion findet er überflüssig: „Die ÖBB haben rund um den Bahndamm kürzlich tausende Bäume gerodet, da hat niemand aufgeschrien. Hier geht es um einen Radweg, das ist doch positiv.“ Außerdem werde für jeden gefällten Baum aufgeforstet: „Zuletzt wurden beim Naturteich 25 Bäume gepflanzt.“

Dellert entgegnet: „Der Plan zeigt keine Zukunftsperspektive, das Projekt ist nicht nachhaltig. Und Haupt nimmt die Bedürfnisse der Anrainer nicht zur Kenntnis.“ Haupt will allenfalls nach der Wahl mit den Kritikern reden. Für Steiner steht fest: „Bäume einem Radweg zu opfern ist das Gegenteil von nachhaltiger Politik.“ Man verpasse die Chance, den Stadtteil zu entwickeln: „Haupt kann offenbar nur Parkplätze.“

Architekt Eichinger schlägt vor, den Radweg parallel zur Bahnstraße „hintaus“ über die Doktor-Kiesewetter-Gasse zu führen und vom Verkehr zu trennen. Das passe auch besser zur Landesausstellung „Wunderwelt Natur“ als „eine Betonpiste für Radfahrer“. Architektin und Raumplanerin Karin Urban fragt sich: „Kann der Radweg nicht auch ein Radstreifen sein? Der ist schmäler und ließe Platz für Bäume – und für Versammlungsorte der Bürger, vielleicht ein Café, einen Schanigarten.“

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