Brücke bewegt die Stadt. Zweites Bürgerforum zu Radfahr-Querung lockte rund 200 Menschen in den Marchegger Schloss-Speicher – nicht alle waren von der Art der Durchführung begeistert.

Von Erwin Nußbaum. Erstellt am 04. Februar 2017 (08:11)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Eine Visualisierung der Radfahr-Querung in der Nähe des Zollwache-Denkmals: Von den bis zu 2,9 Millionen Euro Gesamtkosten sollen 85 Prozent mit EU-Fördermitteln finanziert werden, die restlichen 15 Prozent entfallen auf den Kreis Bratislava und das Land NÖ – Marchegg soll gänzlich von Errichtungs- und Erhaltungskosten befreit werden.
NOEN, Trimmel

Knapp 200 Bürger der Storchenstadt hatten am Donnerstag die vorerst letzte Chance, sich beim zweiten Bürgerforum über das Radfahrbrücken-Projekt zu informieren. Eine offene Podiumsdiskussion fand, sehr zum Unmut einiger Anwesender, aber nicht statt. Vier Verantwortliche des Landes NÖ standen den Interessierten im Einzelgespräch Rede und Antwort und erklärten Hintergründe und Details des geplanten Baus – ein gänzlich anderes Konzept als beim ersten Bürgerforum.

Archiv

VP-Bürgermeister Gernot Haupt eröffnete die Veranstaltung mit einem kurzen Referat über die Möglichkeiten, die sich seiner Meinung nach für die Gemeinde eröffnen könnten, sollten die Bürger das „Geschenk“ der Radbrücke annehmen: Steigende Tourismus- und Nächtigungszahlen, eine Erhöhung der Attraktivität Marcheggs für zukünftige Projekte wie die NÖ-Landesausstellung 2021 und eine Öffnung der Gemeinde hin zur Welt waren nur einige der möglichen positiven Entwicklungen, die sich der Stadtchef vom March-Übergang verspricht.

Im Anschluss unterband Haupt rasch die laut gestellten Fragen einiger Anwesender mit den Worten: „Wer mit mir noch diskutieren will, dem stehe ich hinten im Saal gerne Rede und Antwort.“

Die bis dahin ruhige Menge der Anwesenden zerbrach daraufhin rasch in kleinere lautstark diskutierende Gruppen, die entweder erzürnt den Saal verließen, das Gespräch mit dem Bürgermeister suchten, sich bei den Landes-Vertretern informierten – oder direkt zum Buffet schritten.

„Dieses Bürgerforum war eine Peinlichkeit“

Eine der erzürnten Forums-Teilnehmer war FP-Ortsparteichefin Patrizia Postl: „Das war kein Bürgerforum, das war eine Peinlichkeit. Wie sollen die Bürger informiert werden, wenn man dem Bürgermeister keine offenen Fragen stellen kann?“ Postl kündigte im Gespräch mit der NÖN außerdem an, demnächst ein Flugblatt herausgeben zu wollen – darin sollen die Marchegger aufgefordert werden, sich über das Projekt zu informieren und dafür zu interessieren.

Archiv

Einen Befürworter hat die Brücke jedenfalls in SP-Stadtrat Karl Heinz Klement gefunden: „Marchegg hat im Moment die Chance, aus dem Dornröschenschlaf aufgeweckt zu werden.“ Die geplante Fußgänger- und Fahrradbrücke sei ein erster Schritt in diese Richtung. „Ich erwarte mir davon einen Anstieg des Tourismus und folglich langfristig auch einen Aufschwung der Wirtschaft – was wiederum zu mehr Arbeitsplätzen in der Region führen würde.“

Von der NÖN auf den Erfolg des Forums angesprochen, meinte Haupt: Es war sicher kein Erfolg für die Schreier, aber einer für die Besonnenen, die sich informieren wollten.“

Befürworter und Gegner der Brücke warten nun gespannt auf den 19. Februar – dann geht nämlich die Bürgerbefragung über die Bühne. Bei mehr als 60 Prozent Wahlbeteiligung gilt das Ergebnis als einem Gemeinderatsbeschluss gleichgestellt.